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Texte

A.T. Kearney 360 Grad - Die Neuerfindung der Familie,  1. Oktober 2014


Was macht die Krippe mit unseren Kindern?


Stellen Sie sich vor, man böte Ihnen ein neues Medikament an, dessen Risiken und Nebenwirkungen nicht erforscht wurden. Würden Sie es nehmen? Nein, vermutlich nicht. Als verantwortungsbewusste Erwachsene wollen wir wissen, was auf uns zukommt, kurzfristig und langfristig. Übertragen wir das Ganze auf die aktuelle Krippen-Debatte, stellen wir fest: In Bezug auf unsere Kinder gehen wir gerade nicht mit der gleichen Sorgfalt vor, die wir für uns Erwachsene selbstverständlich in Anspruch nehmen würden.
Zahlreiche wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass zu frühe und zu lange Krippenbetreuung bei Kleinkindern und Babys Risikofaktoren bei diesen Kindern erhöhen. Zwischen 2007 und 2014 hat sich die Zahl der Kinder unter drei Jahren, die in staatlichen Krippen den Tag verbringen, verdoppelt. Derzeit sind es bereits ein Drittel all dieser Kinder in Deutschland, Tendenz ungebremst steigend. In manchen Bundesländern wie Thüringen besuchen bereits über 90 Prozent aller Kinder unter drei Jahren eine Krippe und auch in den restlichen neuen Bundesländern sind es bereits überall über 80 Prozent aller Kinder.  Auf Eltern lastet ein ungeheurer Druck, sich diesem Trend zu beugen, wie aktuell ein Bericht des FOCUS unter dem Titel „Verrat an der Familiie" analysiert. ... weiterlesen

Focus Online, 28.07.2014


SPD wettert mit angestaubten Zahlen gegen "Herdprämie"


Gerade sozial benachteiligte Familien bevorzugen das Betreuungsgeld gegenüber frühkindlicher Bildung. Das ist das Ergebnis einer Studie, die jetzt bekannt wurde. Schon sehen sich SPD und Grüne bei ihrem Kampf gegen die "Herdprämie" bestätigt. Allein: Die Daten wurden vor Einführung des Geldes erhoben.
Man nehme alte Ressentiments, Fakten, die keine sind, eine hohe Dosis politischen Eifer und eine Prise Ausländerfeindlichkeit und voila, schon hat man eine neue Debatte zum Betreuungsgeld. Angezettelt wie üblich von der SPD und flankiert von Vertretern der Grünen – beides Parteien, die schon immer gegen die Einführung dieser Familienleistung waren und bis heute sind. Es muss ihnen ein echter Dorn im Auge sein, dass Eltern nach wie vor gerne selbst erziehen und ihre Kinder nicht schon im Babyalter in eine Krippe geben wollen.
Derzeit wird in allen Medien und Agenturen die Meldung zitiert, wonach Migranten und sogenannte „bildungsferne“ Eltern überproportional häufig das Betreuungsgeld nutzen würden und selbstredend ist das nun ein Problem. Hamburgs Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) spricht von „falschen Anreizen“. Gerade bei der Sprachförderung zeige sich, wie wertvoll die Betreuung und Bildung in einer Kita sei. Ergo: Dies wertvolle Angebot wird den Kindern aus den entsprechenden Familien vorenthalten.
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Interview Birgit Kelle mit Ludwig von Mises Institut, 30. Mai 2014


"Wer nur halbwegs bei Verstand ist, müsste von sich sagen, er sei liberal"


Frau Kelle, wie fühlt es sich an, in Jakob Augstein’s Wochenzeitung “der Freitag” neben Peter Sloterdijk, Thilo Sarrazin oder Henryk M. Broder als “Rechtsdenker” eingereiht zu werden?


Um aus der Perspektive des Freitag rechts zu sein, reicht es, mitten in der Gesellschaft zu stehen. Es ist also kein Kunststück, bei verengten, linken Weltbildern hier eingereiht zu werden. Mir taten, ehrlich gesagt, die 3,60 Euro weh, die ich zum Erwerb der Zeitung investieren musste, um mal zu sehen, wie man beim Freitag den Spagat schafft, mich mit Alice Schwarzer in eine Reihe zu stellen, denn sie ist ja jetzt auch „Rechtsdenkerin“.  Aber da waren ja auch noch andere mit von der Partie wie Matthias Matussek von der Welt, Harald Martenstein von der Zeit. Also eine ganz illustre Hall of Fame der Geächteten. Aber mal ganz ehrlich: Wer ist bitte der Freitag?


Hat Ihre zunehmende Bekanntheit – nicht zuletzt durch Ihre Auszeichnung mit dem Gerhard-Löwenthal-Preis für Journalisten – auch negative Seiten? Haben Sie mit persönlichen Anfeindungen zu kämpfen?


Jeder, der in Deutschland klare Standpunkte im öffentlichen Diskurs vertritt, muss mit Gegenreaktionen rechnen. Es ist nahezu kalkulierbar geworden, mit welchen Themen Sie sofort Kritik auf sich ziehen. Das war mir vorher schon klar. Wie heftig es manchmal ist, hätte ich allerdings nicht gedacht. Ich unterscheide zwischen Berichten in Medien über mich und Kommentaren und Postings in sozialen Netzwerken. Bei Twitter haben Einige bereits jeglichen Anstand verloren, da pöbelt ein verzogener Kindergarten-Mob jedes Mal, wenn ich nur „Guten Tag“ sage. Ernst nehmen kann man das nicht. Verbal ist es unterste Kategorie und sagt viel über die Toleranz dieser Leute gegenüber Andersdenkenden aus. Witziger Weise fordern sie mich dabei zur Toleranz auf. Ich werde als „Hexe“ bezeichnet, „Nichte des Teufels“, „Katholikennutte“, „Homo-Hasserin“. Kreativ sind sie ja. Dem stehen allerdings etwa das Zehnfache an Zuschriften gegenüber, die ich jedes Mal bekomme, wenn ich in einer Talksendung sitze, die sich dafür bedanken, dass ich die Dinge ausspreche. Am häufigsten höre ich den Satz: „Sie sprechen mir aus der Seele“.
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FOCUS Online, 24.04.2014


"Computa", "Studierx", "m@n": Ein Traum für Analphabeten und Feministinnen


Die Humboldt-Universität in Berlin nimmt Gleichstellung ernst: Zukünftig soll es "Computa", "Studierx", "m@n" heißen. Das hört sich eher wie der Satire-Gipfel in der ARD an, meint FOCUS-Online-Expertin Birgit Kelle.
George Orwell würde sicher neidvoll erblassen angesichts der Kreativität der AG „Feministisch Sprachhandeln“ an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit Erscheinen seines Romans „1984“ gilt er zwar als Erfinder des „Neusprech“, doch er konnte damals nicht ahnen, dass ihm Soziologen aus Berlin einmal den Rang ablaufen würden. Was sich wie der Satire-Gipfel in der ARD anhört ist jetzt als Broschüre zum „Antidiskriminierenden Sprachhandeln“ zu haben und soll helfen, eine gewaltvolle und unterdrückende, zweigeschlechtlich geprägte Sprache in ihren Grundfesten zu demoralisieren und endlich den Weg frei zu geben für alle Geschlechter unter besonderer Berücksichtigung von Frauen, die ja bekanntlich sprachliche Opfergruppe Nummer eins sind.
Sicher blickt auch die Uni-Leitung in Leipzig derzeit hingebungsvoll gen Berlin. Hatte man dort doch bereits vor einem Jahr die „Professoren“ in „Professorinnen“ sprachlich gegendert. Was für ein Anfängerfehler, lieber Leipziger, sich selbst nur einer Berufsgruppe angenommen zu haben, wo man doch die ganze Menschheit sprachlich hätte befreien können. Aber dafür haben wir jetzt Berlin, die Hauptstadt der Unisex-Toiletten.
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Macht den Laden zu!


Ein Zwischenruf von Birgit Kelle. Unter Manuela Schwesig ist Familienpolitik längst zur Arbeitsmarktpolitik verkommen. Schaffen wir das Bundesfamilienministerium doch ganz ab.

Das Familienministerium plant ein Online-Portal zur Vermittlung von „haushaltsnahen Dienstleistungen“. Damit tritt das Haus von Frau Schwesig unter Einsatz von Steuermitteln und ohne Not in direkte Konkurrenz zu gewerblichen Jobvermittlungen. Der Zweck heiligt die Mittel, schließlich wolle man „berufstätige Eltern im Haushalt entlasten“. Bravo! Doch bevor wir dankbar Rosenblätter regnen lassen: Das Geld für die Putzfrau müssen Eltern natürlich selbst erwirtschaften, ergo: beide arbeiten - und länger. Das wiederum beschreibt exakt Manuela Schwesigs „Vision“ von „Familienarbeitszeit“. Dabei handelt es sich um eine absolute Glanzleistung aus dem Repertoire des familienpolitischen Neusprechs, ist doch genau jene Zeit gemeint, die Familien jetzt nicht mehr haben, weil sie mehr erwerbstätig sein sollen. Hört sich ab 17 Uhr im Büro aber großartig an: „Arbeitest du noch lange, Liebling?“ - „Nein, ich mach Familienarbeitszeit.“
Das Aufteilen von Arbeits- und Familienzeit unter den Eltern nach der neuen 50 : 50-Doktrin nennt sich dann „partnerschaftlich“, erhöht den Frauenerwerbsanteil und dient damit nicht etwa dem Bedürfnis des Marktes nach billigen Arbeitskräften, sondern selbstredend der Befreiung der Frau. Gegen die „Teilzeitfalle“ hilft Ministerin Schwesig mit dem „Recht auf Vollzeit“, das Mütter nachweislich selbst nicht fordern, aber selbstredend brauchen, um länger arbeiten gehen zu „dürfen“. Wie sollen sie sich sonst die Putzfrau und den Gärtner leisten?
Ursprünglich erschienen in FOCUS Print, 16. Juni 2014, online hier weiterlesen


Müssen Kinder alles wissen?


Ein Zwischenruf von Birgit Kelle. Die rot-grünen Sexualkundepläne in Baden-Württemberg gehen weit über den Bildungsauftrag des Staates hinaus und entmündigen die Eltern.

Das Eindampfen der Lehrpläne für das achtjährige Abitur hat in Baden-Württemberg anscheinend ungeahnte Kapazitäten freigelegt, die nun eiligst mit neuen Unterrichtsinhalten gefüllt werden müssen: Die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ soll laut neuem Bildungsplan fächerübergreifend gelehrt werden unter besonderer Berücksichtigung der LSBTTI-Minderheiten - besser bekannt als Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle und Intersexuelle.


Offenbar reicht der bisherige Sexualkundeunterricht nicht aus, um alle Schüler im Land der Dichter und Denker umfassend darüber zu bilden, welche sexuellen Spielarten existieren und wie sie praktiziert werden. Der Protest ist laut. Auf der einen Seite über 150 000 Menschen, die via Petition zu Recht protestieren gegen Bildungspläne, die weit über den Bildungsauftrag des Staates hinausreichen und massiv in das Erziehungsrecht der Eltern eingreifen. Auf der anderen Seite die vermeintlich Toleranten, die in allgemeiner Hitzlsperger-Euphorie mit großem Geschrei jeden in die homophobe Ecke stellen, der sich widersetzt. Anscheinend ist der Toleranzfraktion entgangen, dass schon heute Sexualkundeunterricht stattfindet, der Schamgrenzen durchbricht und das Etikett „altersgerecht“ nonchalant übergeht. FSK 18 für Grundschüler. Man muss als Eltern schon Glück haben beim Lehrer-Bingo; läuft es schlecht, bekommt man einen überengagierten Eiferer für seine Kinder ab. Da dürfen Viertklässler dann, wie die „Welt“ berichtete, in einer Grundschule in Baden-Württemberg erfahren, dass sich Lesben zur Befriedigung gegenseitig „mit der Zunge lecken“, oder Kinder sollen wie in Berlin lustige Pantomime-Spiele darbieten, um Begriffe wie „Darkroom“ oder „Porno“ zu erraten. Jetzt sollen sie laut Bildungsplan zusätzlich selbst im Internet recherchieren - da wird so mancher bewusstseinserweiternde Erkenntnisse erlangen. Fehlt noch „Feuchtgebiete“ als Pflichtlektüre in Deutsch.


Eine Debatte über diese Ideologie ist nötig


Als zusätzliches Schmankerl kommt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in einem Positionspapier, das gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation WHO erarbeitet wurde, zu der Erkenntnis: Sexualaufklärung muss schon in den Kindergarten und sollte vor dem 4. Lebensjahr beginnen. Nutzt das wirklich den Kindern?


Niemand will Themen wie Homosexualität aus den Schulen verbannen, auch nicht die Zeichner dieser Petition. Die Themen sind längst da. Doch nun geht es einen Schritt weiter. Toleranz war gestern, heute soll der Schüler begreifen, dass abseits von Ethik, Moral, Religion oder gar der Meinung seiner Eltern alle sexuellen Spielarten als gleichwertig und normal zu akzeptieren seien. Schule soll also mittels Gesinnungsunterricht dem vorgreifen, was gesellschaftlich und wissenschaftlich gar kein Konsens ist. Und wie vermittelt man wissenschaftlich „akzeptabel“, dass der Schüler einen Transsexuellen jetzt ganz normal finden soll, obwohl dieser doch laut WHO auf der Liste der psychisch Kranken mit Geschlechtsidentitätsstörung steht?


Bevor wir also die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ als Teil des Konzeptes Gender Mainstreaming regenbogenfahnenschwingend durchs Schultor lassen, ist dringend eine Debatte über diese Ideologie nötig, die an der Verwirrung, der „Entnaturalisierung“ der Geschlechter arbeitet, wie es die Freiburger Professorin Nina Degele offenherzig erklärte, und die jetzt nach unseren Kindern greift.
Erschienen in FOCUS




 


Andreas UnterbergerLaudatio von Dr. Andeas Unterberger anlässlich der Verleihung des Gerhard Löwenthal Preis 2013 an Birgit Kelle am 23. November 2013 in Berlin.

Birgit Kelle steht heute für den ganzen deutschsprachigen Raum an der Spitze einer zentralen Auseinandersetzung. Nämlich jener mit der Diktatur des immer aggressiver werdenden Feminismus, nicht nur mit seinen Dummheiten, sondern auch den Schäden, die er anrichtet. Diese Auseinandersetzung ist für das Überleben unserer europäischen Kultur, die ein halbes Jahrtausend global dominierend gewesen ist, ebenso wichtig wie jene mit den anderen zentralen Bedrohungen:



  • durch die Demographie,

  • durch die unkontrollierte Migration,

  • durch den Islamismus,

  • durch die Überregulierung internationaler wie nationaler Art,  

  • durch die Einengung der Meinungsfreiheit als Folge der Political correctness.


Männer tun sich schwer mit dem Feminismus. Entweder sie sind desinteressiert, oder fühlen sich in der Defensive oder haben prinzipiell schlechtes Gewissen.


Anfangs haben sich sprachsensible Männer wie Frauen bloß über die Verhunzung der Sprache amüsiert, über das Binnen-I, über das „Elter“ (für Vater und Mutter), über „Mitglieder und Mitgliederinnen“, über Bürgerinnenmeisterinnen. Aber auch da wäre schon ein Aus mit Lustig am Platz gewesen. Ist doch der Schaden durch solche Texte enorm, da sich immer mehr Kinder beim sinnerfassenden Lesen schwertun.


Bloß amüsant war für manche auch, dass staatlich finanzierte Universitäten das Basteln von Sex Toys als Lehrveranstaltung angesetzt haben.


Dann kam die Quotendiskussion mit zahllosen opportunistisch verlogenen Aussagen. Wenn ein Generaldirektor eines in Vorstand und Aufsichtsrat rein männlich geführten Konzerns in Interviews für Frauenquoten plädiert, kann das ja nur so bezeichnet werden. Warum fängt denn der Typ nicht bei der eigenen Firma an, ganz ohne Gesetz?


Dazu kommt, dass solche Quoten ja erst recht frauenfeindlich sind, wie Kelle so scharf aufzeigt: Wer soll denn dann noch eine Frau in Spitzenfunktionen ernst nehmen, wenn Männer wie Frauen sie hinter ihrem Rücken als Quotenfrau abtun können?


Gleichzeitig trommelte ständig die Behauptung der dramatisch ungleichen Bezahlung quantitativ wie qualitativ gleicher Arbeit von Männern und Frauen auf uns ein. Und wieder reagierten Männer in ihrer Unbedarftheit schuldbewusst, ohne zu durchschauen, wie sehr da Äpfel mit Birnen, nein geradezu mit faulen Bananen verglichen werden. Wenn das, was da Linke und Feministen behaupten, nämlich wahr wäre, dann wäre jeder Unternehmer grenzdebil, der sich nicht durch Beschäftigung von Frauen einen 20-, 25-, ja 27-prozentigen Vorteil gegenüber den Konkurrenz verschafft und dicke kapitalistische Gewinne scheffelt.


Dann kam die Flut behaupteter Missbräuche in Rosenkriegen. Gegen den Ex-Mann, gegen den neuen Freund der Frau. Da war‘s dann überhaupt nicht mehr lustig. Denn nach Ansicht von Experten ist in mindestens einem Drittel der Fälle der Missbrauch unwahr. Man will nur die taktische Position zu verbessern. Selbst um den Preis der Vernichtung von Existenzen. Selbst um den Preis schwerer Schäden an verunsicherten Kindern.


Dennoch schien gegen viele dieser und anderer unsinnigen Behauptungen der Feministinnen kein Kraut gewachsen. Sie wurden durch ständige Wiederholungen zwar auch nicht wahrer, aber von allzu vielen doch geglaubt: Bis Frauen selbst die Dinge in die Hand genommen haben.


Und da steht Birgit Kelle heute an der Spitze. Schon allein deshalb, weil sie brillant schreiben und mutig wie kantig diskutieren kann. Das hat Wirkung, das hat Power.


Ich habe mich auch selbst einige Zeit mit dem Gedanken getragen, ein Buch über und gegen all die Dummheiten des Feminismus zu schreiben. Aber als ich Birgit Kelles „Dann mach doch die Bluse zu“ in die Hände bekommen habe, wusste ich: Das kann wer anderer viel besser als ich. Und habe mir viel Arbeit erspart.


Birgit Kelle ist nicht nur wegen ihrer brillanten Schreibe wirksamer: Es war vor allem dringend notwendig, dass endlich auch Mütter das Wort ergreifen. Denn diese werden ja von den vielen kinderlosen Frauen als Geiseln genommen. Die Kinderlosen hatten die Frauen mit Kindern instrumentalisiert, um ihre eigenen Karriere-Anliegen vorantreiben zu können.


Mütter haben aber viel weniger Zeit. Daher findet man sie seltener in Redaktionsstuben oder bei Parteiversammlungen. Dort trifft man fast immer nur die Singlefrauen oder ein paar, die dann mit 40 schnell noch ein Kind anschaffen, weil das geht ja mit links, weil das kann man eh gleich wieder abgeben. Solche Frauen dominieren aber in sehr vielen Medien und Parteien heute die Familien- und Gender-Themen. Obwohl sie am allerwenigsten Erfahrung haben. In Österreich etwa haben Journalistinnen im Schnitt 0,6 Kinder, also nicht einmal die Hälfte des ohnedies viel zu niedrigen nationalen Schnitts. Daher wäre logisch: Wenn schon Quote, dann nur für Frauen mit Kindern. Aber natürlich ist jede Quote leistungshemmend und diskriminierend. Daher strikt abzulehnen.


Mitschuld an vielen Fehlentwicklungen sind jedoch in hohem Maß männliche Journalisten. Diese gehen dem Themenkreis oft feige oder desinteressiert aus dem Wege und überlassen es daher der Miniminderheit der Singlefrauen.


Und jedenfalls haben Mütter keine Stimme in all den politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um sie.



  • Daher wird dann höchstens eine bisweilen auftauchende Luxusmutter wie Ursula von der Leyen für eine Stimme der Mütter gehalten.

  • Daher kommt es verhängnisvoll zum Zusammenspiel zwischen familienfeindlichen Linken, zeitgeistiger Dummheit und der nur an weiblichen Arbeitskräften, aber nicht an der Zukunftsinvestition Kinder interessierten Wirtschaft.

  • Daher kann heute ein übler Mainstream den Müttern die Freiheit der Wahl zwischen Beruf und Familie zu nehmen versuchen.

  • Daher spricht die Politik in ihrem Machtrausch heute Eltern das Recht immer mehr ab, sich von der Familiensituation bis zur Schulwahl für jenen Weg zu entscheiden, der für ihre Kinder der beste ist. Obwohl das Eltern immer noch Tausendmal besser wissen als Politiker oder Beamte.

  • Daher kann es zu den ungeheuerlichen Aussagen deutscher Politiker kommen, die insbesondere unsere Freunde aus Osteuropa entsetzen, dass in der DDR zwar unbestreitbar fast alles schlechter war, aber die Situation der Frauen wäre besser gewesen, weil es dort so viele Kindergärten gab.


Dieser heute vorherrschende linke Mainstream ist umso absurder, als auf der Gegenseite liberale wie konservative Denkmodelle eigentlich eng zusammengehen, mehrheitsfähig sind und zu sehr ähnlichen Ergebnissen führen. Jedem liberal denkenden Menschen muss das Recht auf Freiheit, auf freie Entscheidung insbesondere im familiären Feld der wichtigste Wert sein. Und jeder konservativ, jeder christlich geprägte Mensch muss die Pflichten gegenüber der eigenen Familie, den eigenen Kindern, dem eigenen Nächsten an oberste Stelle stellen.


Aber dennoch traut sich fast niemand in der Öffentlichkeit für die Familien zu kämpfen. Denn die Linken haben derzeit – noch – die Oberhoheit über die medialen Stammtische.


Die einstige Usance, dass die Männer, die Väter auch die Interessen von Frauen und Kindern zu vertreten haben, gilt nicht mehr. Gewiss haben die Männer dabei auch oft an sich gedacht und die eine oder andere Schieflage in traditionellen Gesellschaften mit zu verantworten. Ihnen wird heute aber auch weit darüber hinaus im öffentlichen Diskurs jedes Mitvertretungsrecht für ihre Familie abgesprochen, auch in jenen großen Bereichen, wo sie es durchaus sinnvoll verwendet haben.


Bei aller Bereitschaft, sich offen jeder Kritik zu stellen, ist unbestreitbar klar: Es gibt keine einzige Kultur, keine einzige Religion, in der einerseits die Freiheit aller Menschen wie auch die Gleichwertigkeit von Männern und Frauen so stark, in weiten Bereichen so selbstverständlich ist wie in der durch Christentum und Aufklärung geprägten europäisch-amerikanischen Welt.


Spätestens seit dem 18. Jahrhundert, seit einer Maria Theresia oder einer Katharina ist das auch durch ganz große Kaiserinnen so demonstriert worden. Dass damals hier in Berlin auch ein anderer, ebenfalls als groß bezeichneter König Maria Theresia ihre vollen Rechte abspenstig machen wollte, will ich hier als österreichischer Gast geflissentlich übergehen. Jeder hat so seine Traumata.


Jedenfalls hat Maria Theresia geradezu im Übermaß gezeigt, dass man sowohl eine zugleich konservativ-wertebewusste und aufklärerisch-reformorientierte Herrscherin sein kann wie eine liebevolle Frau und Mutter. Auch wenn es sicher keine Idealsituation ist, vom Wochenbett aus Kriege führen zu müssen.


Ohne jetzt Vergleiche überstrapazieren zu wollen, scheinen Maria Theresia und Birgit Kelle noch etwas gemeinsam zu haben: eine starke und innige Beziehung zum katholischen Glauben, zu dem Kelle vor zwei Jahren konvertiert ist. Für die Habsburgerin war das natürlich selbstverständlich, für Kelle war das ein langer Prozess der inneren Prüfung und Auseinandersetzung, was die Konversion umso wertvoller macht.


Das erinnert mich übrigens auch an Sabatina James, die tapfere Konvertitin aus dem pakistanischen Islam, die jetzt – von Todesdrohungen begleitet – mutig und eloquent für islamische Frauen kämpft. Ihr ist zwar von einem evangelikalen Christen das Evangelium nahegebracht worden. Aber sie hat sich dann ganz aus eigenem für den Katholizismus entschieden, nach dem Coca-Cola-Motto: It’s the real thing.


Die Konversion Birgit Kelles war aber nicht nur eine religiöse. Sie war unabhängig davon auch eine politische. Wenn Klassenkolleginnen bei Treffen fassungslos sind, dass aus der wilden, schultypisch grün aufmüpfigen Birgit eine bürgerliche, offenbar glückliche Familienmutter und politische Kämpferin für Mütter und Familien geworden ist, dann zeigt das noch in ganz anderer Hinsicht einen intellektuellen Milieuwechsel.


Da ist sie zweifellos auch von ihrer Familie mitgeprägt worden, von einem Ehemann, der selbst vor mehr als einem Vierteljahrhundert konvertiert ist; und von vier großartigen Kindern, die alle mitziehen, wenn die Mutter jetzt zur internationalen Persönlichkeit geworden ist.


Wenn ich zuvor gemeint habe, dass der europäischen Kultur nach 500 dominierenden Jahren der Abstieg droht, dann führt das noch zu einer ganz anderen Annäherung an Birgit Kelle: Sie kommt aus einer inzwischen schon untergegangenen Kultur, aus jener der Siebenbürger Sachsen. Diese ist nach mehr als sechs Jahrhunderten in aller Stille verschieden, aber umso beklemmender.


Ich erinnere mich noch, wie einer meiner Lehrer den Schmuggel von deutschen Bibeln nach Rumänien organisiert hat. Ich erinnere mich an Besuche nach der Wende in diesem Siebenbürgen, wo in den Dörfern heute des Sommers viele Golf mit Kölner Kennzeichen stehen – lauter Sachsen, die ihre Heimat besuchen, die sie verlassen hatten, weil sie keine Zukunft mehr gesehen haben. Ienn im restlichen Jahr ist kein einziges deutsches Auto da.


Besonders ergreifend ist für mich die Erinnerung an einen Besuch bei Eginald Schlattner, den Pastor und Bestsellerautor, in seiner Kirche in Rothberg. Dort hängen noch die schönen deutschen Prozessionsfahnen, nur gibt es keine Prozessionen mehr, keine Gottesdienste. Und Schlattner zeigte ins Dunkel unter der Orgel: „Schauen Sie, dort stehen drei Särge für die letzten Deutschen im Ort. Wir hoffen halt, dass uns unsere braunen Brüder dann wenigstens in den Sarg liegen, wenn er schon da steht.“


Wem da nicht weh ums Herz wird, der hat wohl keines.


Ich bin überzeugt, dass gerade ihre Kindheit in diesem Siebenbürgen Birgit Kelle stark prägt. Sie hat so wie ihre Eltern und Großeltern erstens die Idiotien eines Totalitarismus erlebt. Und sie hat zweitens das Sterben einer Kultur gesehen. Da schaut man nicht tatenlos zu, wenn es wieder um das Überleben einer Kultur geht. Da gewinnt man Stärke, gegen ideologische Unsinnigkeiten aufzutreten.


Und diese Stärke sollte sich auch auf uns alle übertragen, insbesondere auch auf uns krawattentragende Männer. Jeder Kampf ist erst verloren, wenn man sich selber aufgibt. Oder mit Schiller: „Was man nicht aufgibt, hat man nie verloren“.


Gerade in Tagen und Wochen, da in Deutschland wie Österreich Koalitionsverhandlungen Katastrophales für Familien bedeuten,



  • wo Familienförderungen gekürzt,

  • Kindergarten-Ausgaben stark erhöht werden,

  • wo Quoten eingeführt werden,

  • wo von der Familien- bis zur Schulpolitik die Weichen gestellt werden Richtung Verstaatlichung, Gleichschaltung und Bevormundung statt Freiheit, Vielfalt und Wahlmöglichkeit,


da brauchen wir nichts dringender, als ermutigende Persönlichkeiten. Die nicht aufgeben. Die mit jungem Schwung kämpfen.


Birgit Kelle ist eine solche.

INTERVIEW  VON BIRGIT KELLE MIT DER HUFFINGTON POST


"Möglicherweise das perfideste
Instrument zur Unterdrückung der Frau"


Union und SPD haben sich in der Arbeitsgruppe Familie auf eine gesetzliche Quote für Frauen in Führungsetagen geeinigt. Die Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen sollen ab 2016 einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent aufweisen.


Birgit Kelle ist freie Journalistin, Vorstandsmitglied des EU-Dachverbandes "New Women For Europe" und Mutter von vier Kindern. Im Gespräch mit der Huffington Post erklärt sie, was sie von der Frauenquote hält: Nichts.


Huffington Post: Die Frauenquote soll kommen. Frau Schwesig sieht darin einen guten Schritt für die Gleichstellung von Frauen in Deutschland. Stimmen Sie ihr zu?

Birgit Kelle: Nö, das ist ein guter finanzieller Schritt für eine Handvoll Frauen in Deutschland. Für die Masse von uns bringt das überhaupt nichts. Für die paar Aufsichtsratsposten, die zu vergeben sind, kommen nur wenige Frauen in Frage. Für die Gleichstellung bringt das überhaupt nichts. Ganz im Gegenteil: Anschließend können sich die Politiker gemütlich zurücklehnen und sich auf die Schulter klopfen. „Jetzt haben wir ganz viel für Frauen getan und nun gehen wir wieder zur Tagesordnung über.“

HuffPost: Ist die Frauenquote großer Quatsch?


Kelle: Die Frauenquote ist möglicherweise das perfideste Instrument zur Unterdrückung der Frau. Es wird gesetzlich zementiert, dass Frauen eine Quote brauchen, um das zu erreichen, was Männer ohne Quote erreichen. Vermutlich ist das der Grund, warum mir zunehmend auch Herren die Schulter tätscheln, um mir zu erklären, wie gern sie mir doch mit einer Quote helfen würden.


HuffPost: Manche Feministinnen sagen: Das ist eine positive Diskriminierung.


Kelle: Das muss so etwas sein wie positive Folter. Ich kann dem Begriff positive Diskriminierung nichts abgewinnen, denn Diskriminierung bleibt Diskriminierung, egal unter welchen Motiven. Man kann sich die Frauenquote auch schönreden.

HuffPost: Wie reagieren die Frauen in Ihrem Umfeld auf die Quote?


Kelle: Unheimlich viele, besonders die jüngeren, sind dagegen. Ich war in der vergangenen Woche bei einem Workshop für weibliche Führungskräfte. Da waren Frauen aus dem gehobenen Management anwesend, zum Teil explizit aus Männerbranchen. Wir haben eine Abstimmung gemacht: Neunzig Prozent waren gegen eine Frauenquote. Das waren Frauen, die sich ihren Weg nach oben erkämpft haben und sehr erfolgreich im Beruf sind.

HuffPost: Woran liegt die Ablehnung? An der Angst vor dem „Tittenbonus“, über den Sie an anderer Stelle geschrieben haben?


Kelle: Genau. Die Managerinnen sagen, dass diejenigen, die über firmeninterne Quoten aufsteigen, nicht ernst genommen werden. Auch Ingenieurinnen und viele Akademikerinnen schreiben mir, dass sie seit der Diskussion über die Frauenquote immer erklären müssen, dass sie auch ohne Quote aufgestiegen sind. Diese Frauen sind wütend, weil sie sich alles hart erkämpft haben. Wir binden uns als Frauen mit der Quote einen extra Klotz ans Bein.


Aber bei der ganzen Debatte dürfen Sie nicht vergessen, dass es Branchen gibt, in denen es für Frauen einfach sehr hart ist – zum Beispiel im Vertrieb. Eine Vertriebschefin eines großen Telekommunikationsunternehmens sagte mir, dass sie in ihrer Truppe nur sehr wenige Frauen habe. Die meisten Frauen würden den Druck nicht aushalten und lieber in andere Abteilungen im Haus gehen. Das finde ich völlig legitim. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass nicht überall dort, wo keine Frauen sind, die Frauen ferngehalten werden, sondern viele von ihnen da möglicherweise gar nicht hinwollen. Aber wenn Sie in Diskussionen mit Feministinnen den Satz „Sie wollen es nicht“ sagen, dann gibt es immer kollektiven Atemstillstand.

HuffPost: Was stört sie am meisten an der Diskussion?


Kelle: Dass es eine überflüssige Diskussion ist, die an den wahren Problemen von Frauen vorbeiführt.

HuffPost: Was sind die wahren Probleme?


Kelle: Das größte Problem ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, weil wir darauf beharren, dass alles gleichzeitig sein muss und nicht etwa hintereinander. Viele Frauen wollen für ihre Familie eine Zeit lang im Beruf aussetzen. Sie sind aber im Moment wahnsinnig unter Druck. Sie bekommen von allen Seiten gesagt: „Wenn du das machst, bist du aus dem Job raus – trotz deiner guten Ausbildung.“ Diese Frauen gehen ein hohes finanzielles Risiko ein, wenn sie einige Jahre ihres Leben der Familie widmen. Die Unternehmen machen ihnen den Wiedereinstieg schwer. Dieser Druck muss nachlassen. Das gesellschaftliche und finanzielle Risiko, Kinder großzuziehen, darf nicht allein auf den Schultern der Frauen lasten. Das ist das Hauptproblem, das wir lösen müssen – und nicht die Frage, ob in einem Vorstand mehr Frauen oder mehr Männer sitzen. Die Unternehmen müssen familienfreundlich werden. Ich möchte nicht, dass die Familien wirtschaftsfreundlich werden müssen.

HuffPost: Verfechter der Frauenquote schwören ja auch auf den Kulturwandel in den Unternehmen. Meetings könnten dann öfter zu familienfreundlichen Zeiten stattfinden und es gibt dann womöglich mehr Sensibilität für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ist da nicht was dran?


Kelle: Wahrscheinlich bekommen wir sogar besseres Wetter, wenn mehr Frauen in den Vorständen sitzen. Das ist doch bloß eine Hypothese. Frauen sind, sobald sie Chef sind, auch keine besseren Menschen als Männer. Das unterstellt ja auch, dass Männer nicht in der Lage wären, frauenfreundlich zu agieren. Das ist Sexismus in die andere Richtung. Ich glaube nicht, dass die Familienfreundlichkeit etwas mit der Zusammensetzung der Vorstände zu tun hat.

HuffPost: Wie viele Gegner haben Sie eigentlich mit Ihren Thesen?


Kelle: Etwa zehn Prozent des Feedbacks ist negativ. Ich bekomme überwiegend Zustimmung. Diejenigen, die meine Meinung ablehnen, hassen mich, die werden in der Regel persönlich und beleidigend. Das fällt eine sachliche Auseinandersetzung schwer.

Birgit Kelle hat das Buch "Dann mach doch die Bluse zu - Ein Aufschrei gegen den Gleichheitswahn" geschrieben, erschienen im Adeo-Verlag, 224 Seiten, 17,99 Euro, ISBN: 9783942208093.

Endlich sagt’s mal eine!


Das nachfolgende Interview mit Birgit Kelle ist der 57. Zeitschrift Sezession (Dezember 2013) entnommen.


SEZESSION: Frau Kelle, wie sieht Ihre Wunsch-Frau „von heute“ aus?


KELLE: Wie eine Frau, die es schafft, ihren Weg zu gehen, ihr Glück zu suchen und im Idealfall sogar zu finden, ohne sich von der Gesellschaft oder gar anderen Frauen vorschreiben zu lassen, welches das zugeteilte Häppchen Glück für sie zu sein hat. Mein persönliches Wunschbild für die „Frau von heute“ ist so betrachtet völlig irrelevant, denn es geht nicht darum, meine Vorstellungen für andere zu definieren, sondern jeder Frau die Möglichkeit zu schaffen, ihr eigenes Wunschbild zu werden.


SEZESSION: Sie haben sich also selbst beschrieben? War es ein langer oder bloß ein schwieriger Weg dorthin?


KELLE: Sie gehen also davon aus, dass ich mein eigenes Ideal bereits erreicht habe? Manchmal nach einem langen Familientag und Schreibtischarbeit bis in die Nacht bin ich nicht ganz sicher, ob mein Wunschbild und ich uns nicht ein bißchen entfremdet haben.  Zumindest würde ich heute sagen: Ich weiß, was ich will und ich fordere es auch ein. Für diesen Satz habe ich allerdings einige Jahre gebraucht.


SEZESSION: Insgesamt klingt das nach jener Wahlfreiheit, von der jeder in Deutschland und in der gesamten westlichen Hemisphäre mehr als genug vorfindet. Geht es nicht vielmehr um die – meinethalben freiwillige – Rückbindung in die Festlegung als Frau, also darum zu akzeptieren, daß es noch immer die Frauen sind, die die Kinder kriegen und die über dieses Schicksal nicht frei disponieren sollten?


KELLE: Mir gefällt der Begriff der „Rückbindung“ nicht. Wir kehren mit unserem Wunsch, Kinder zu bekommen, nicht zurück. Wir haben uns nie davon gelöst. Wir waren immer Frauen, wir sind Frauen und wir werden es immer bleiben. Sie bedienen sich hier der Rhetorik der Altfeministinnen, die ja immer wieder besorgt einen „backlash“ der Frauen zurück an den Herd und in die Familie kritisieren. Auch sie ignorieren, dass die Mehrheit der Frauen die traditionelle Rolle der Frau als Ehefrau und Mutter nie verlassen hat und auch nie verlassen wollte. Die Wahlfreiheit, von der Sie mehr als genug sehen, finde ich allerdings nur auf dem Papier. Wenn einer Frau gesellschaftliche Ächtung als „Heimchen am Herd“, berufliches und damit finanzielles Aus und Altersarmut drohen, weil sie sich heute noch dafür entscheidet, Kinder vor Karriere zu setzen, dann ist sie nicht frei in ihrer Entscheidung, sondern wird nahezu genötigt, sich in ein zugeteiltes Rollenmodell einzufügen.


SEZESSION: Sehen Sie, genau deshalb sprach ich von „Rückbindung“: Gerade weil etliche Frauen sich genötigt sehen, einem Bild jenseits ihres Kinderwunsches zu entsprechen, ist die Entscheidung gegen den Vorrang der Karriere eine nicht im Sinne der Meinungsmacher vollzogene Besinnung auf etwas, das immer galt – eine „Rückbindung“ eben …


KELLE: Zurück kann ich nur, wenn ich schon mal weggegangen bin. Wer immer dort geblieben ist, wo er war, geht nicht zurück, sondern bleibt wo er ist. Ich akzeptiere die Richtung zurück nicht, wie bereits dargelegt, denn sie erinnert mich zu sehr an die vorwurfsvollen Anfeindungen durch Frauen, die nicht begreifen wollen, dass ich nicht dieselbe Richtung einschlage, die sie mir vorgeben wollen.


SEZESSION: In Ihrem Buch Dann mach doch die Bluse zu schlagen Sie einen selbstbewußten Ton an: Meinen Sie, daß Sie eigentlich für eine Mehrheit sprechen, die nur aufgrund medialer Verzerrung als abgehängte Minderheit erscheint?


KELLE: Ja, das glaube ich in der Tat nach den mehr als 1000 Zuschriften, die mich im Laufe der Jahre erreicht haben. Und möglicherweise war genau diese Erkenntnis, dass wir die schweigende Mehrheit im Land sind, der Punkt, an dem ich aufgehört habe, darauf Rücksicht zu nehmen, was wohl andere über mich und meine Meinung denken.


SEZESSION: Woran liegt es Ihrer Meinung nach, daß in diesem Falle eine Minderheit den öffentlichen Kampf um die Rolle der Frau prägt? Liegt dies am Zugang zum Machthaber, also: am Zugang zu den Medien?


KELLE: Nicht nur am Zugang zu den Medien, sondern auch zu der Politik. In beiden Feldern dominieren Frauen, die entweder selbst kinderlos sind, oder das Lebensmodell Kinder ja, aber Karriere geht weiter mit Hilfe von Fremdbetreuung, favorisieren. Also der Typus von der Leyen & Co. Nun ist mir persönlich ja egal, wie andere Leute ihr Familienleben gestalten. Das Problem beginnt aber, wenn sie neben ihrem eigenen Weg keine anderen Wege zulassen. Gestern erst twitterte mir die Chefredakteurin eines Familienmagazins zu, mein Frauenbild verursache bei ihr  „große körperliche Schmerzen“. Manchmal habe ich das Gefühl, es geht gar nicht mehr um die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Hier wird die Deutungshoheit über das einzig richtige Frauenleben mit allen Mitteln verteidigt, und wer in den Medien Präsenz hat, dominiert die Debatte.


SEZESSION: Über welche Kanäle der Gegenöffentlichkeit verfügen Sie?


KELLE: Na offensichtlich inzwischen über einige. Es hat zwar ein paar Jahre gedauert, aber ich kann mich derzeit nicht darüber beschweren, medial ignoriert zu werden. Das Internet ist hier übrigens ein großartiges Medium. Es bricht die Dominanz von Chefredakteuren und Ressortleitern oder gar Leserbriefredakteuren. Jeder kann sich artikulieren und es über soziale Netzwerke teilen. Wenn Sie einmal das Beispiel meiner Kolumne „Dann mach doch die Bluse zu“ zur Sexismus-Debatte bei The European, Freie Welt und kath.net im Januar diesen Jahres nehmen. Dieser Artikel gegen den #aufschrei, den vermutlich kein Printmagazin zu diesem Zeitpunkt gedruckt hätte, weil sich die deutschen Medien damals gerade einig waren, daß wir Frauen doch alle Opfer und alle Männer Täter seien – dieser Artikel ist innerhalb weniger Tage über 170.000 Mal im Internet in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook geteilt worden. Von solchen Leserzahlen träumt so manches Printmedium. Man kann also über das Internet die Schweigespiralen durchbrechen.


SEZESSION: Auch mit Ihrem Buch – das sicherlich aus PR-Gründen den selben Titel trägt wie Ihr erfolgreicher Aufsatz vom vergangenen Jahr – scheinen Sie die Mißachtungsmauer zu durchbrechen. Wer kauft das, wer ist der Durchschnittsleser?


KELLE: Genau kann ich das natürlich nicht sagen, der Handel meldet mir ja keine Steckbriefe. Anhand der zahlreichen Zuschriften, die ich bekomme, sind es viele Mütter und Hausfrauen. Ihre Briefe sind wie ein großes Aufatmen, dass sie endlich zur Kenntnis genommen werden. Wirklich viele enthalten den Satz: „Sie sprechen mir aus der Seele“. An zweiter Stelle sind es Familienväter oder Ehepaare, die gemeinsam schreiben und mir ihre Lebensgeschichten und Familienfotos zusenden. Sie berichten von ihrem Familienglück, von den finanziellen Entbehrungen, die sie aber jederzeit wieder für die Familie in Kauf nehmen würden. Viele ältere Frauen schreiben mir die Höhe ihrer Rente, nachdem sie drei, vier oder mehr Kinder großgezogen haben. Das ist eine Schande für unser Land! Dann schreibt noch die Gruppe der Singlefrauen, die gerne Familie hätte, sich aber einem ungeheuren Druck ausgesetzt sieht, beruflich erfolgreich zu sein und Mühe hat, einen Mann zu finden, der eine Familie gründen will. Nicht unerheblich ist übrigens auch die Zahl der Zuschriften von Therapeuten und Erzieherinnen, die von Kinderschicksalen berichten, die sich in Krippen, Kitas und Arztpraxen abspielen. Sie alle sehen, wohin diese vermeintliche Familienpolitik hinführt, sie sehen die Probleme, berichten von Überforderung der Kinder. Der Stoff würde für ein zweites Buch reichen.


SEZESSION: Die Wochenzeitung Junge Freiheit bewirbt Ihr Buch intensiv, Sie selbst schreiben dort und nehmen am Samstag den Gerhard-Löwenthal-Preis für Journalisten entgegen. Sehen Sie in dieser Zeitung und deren Umfeld (wozu ich als politischen Arm die AfD rechne) eine kommende Größe?


KELLE: Das sind zwei Fragen auf einmal. Die Junge Freiheit ist wichtig als Medium, das sich nicht dem medialen Mainstream unterwirft. Wir brauchen für einen ernsthaften Diskurs in Deutschland widerstreitende Positionen gerade auch in den Medien und soweit ich weiß, wird die JF dafür mit stetig steigenden Leserzahlen belohnt. Ob die AfD eine kommende Größe in unserem Land darstellen wird, muß sich noch zeigen, das kann ich nicht bewerten. Zu viele Parteien haben sich in den vergangenen Jahren neu formiert und nach kurzer Zeit wieder erledigt. Daß es die AfD aber innerhalb so kurzer Zeit fast auf Anhieb in den Bundestag geschafft hat, zeigt, daß es in der Bevölkerung doch eine große Unzufriedenheit gibt mit den etablierten Parteien, in denen viele Themen eben nur „alternativlos“ gelöst werden.

„Raus aus der Doppelbelastung” –
Birgit Kelle erhebt Einspruch


Nicole Beste-Fopma ist Chefredakteurin von Lob – Die Zeitschrift für berufstätige Mütter und Väter und Mutter von vier Kindern. Da haben wir zunächst einiges gemeinsam, als Medienfrauen mit vier Kindern, also beide berufstätig und dazu den Großfamilienstatus, den es zu bewältigen gilt. In ihrer Kolumne „Raus aus der Doppelbelastung – Die Frauenhaben es in der Hand“ stellt sie Forderungen aus ihrer Sicht, wie diese Doppelbelastung von Frauen zwischen Familie und Beruf endlich zu bewältigen und das Dilemma zu lösen sei. Ich erhebe Einspruch.


Zunächst die Analyse, ja, wir Frauen und Mütter kümmern uns deutlich mehr um die Kindererziehung und um den Haushalt. Ja, wir Frauen reiben uns zunehmend auf bei dem Versuch, beide Aufgaben so zu bewältigen, dass alle Beteiligten zufrieden sind. Ja, wir Frauen zahlen in der Regel dafür die Zeche. Wir sind ein „Risiko“ bei der Bewerbung um einen Job und bei der Beförderung auf höhere Positionen, denn bei uns droht immer ein Ausfall wegen kranken Kindern oder gar einer weiteren Geburt. Wir riskieren Altersarmut, weil wir durch die Kindererziehung bei der Rente benachteiligt werden. Bei all den Fakten, die auf dem Tisch liegen, erscheint es also verlockend, was Frau Beste-Fopma fordert: Wir Frauen sollen von unseren Männern endlich einfordern, dass sie sich in gleichem Maße beteiligen an der Hausarbeit, an der Kindererziehung, an der Elternzeit. Nicht nur die läppischen zwei Monate, die die meisten Väter nehmen. Nicht immer die Frauen, die zu Hause bleiben, wenn ein Kind krank ist. Würden Männer sich also genauso stark beteiligen, wären sie für Arbeitgeber ein genauso hohes „Risiko“ und es wäre Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt, wir Frauen hätten nicht immer das Nachsehen. Und wir sollen unsere Söhne endlich so großziehen, dass wir ihnen gleich beibringen, dass es genauso ihre Aufgabe ist, schließlich haben wir die Erziehung ja in Frauenhand, also tragen wir damit die Hauptschuld, dass, wie sie schreibt „ noch immer viel zu viele junge Männer davon überzeugt sind, dass die traditionelle Rollenverteilung, die richtige ist.“ Sind nicht viele Frauen der gleichen Ansicht?


Nicht zuletzt noch er Tipp,  wir sollten nicht „gleich in die Kita oder Schule zu rennen, wenn der Sohn über Bauchschmerzen klagt“ sondern einfach mal drauf vertrauen, dass die Kinder in fremden Händen auch gut aufgehoben sind, wenn sie krank sind. Wirklich ein Riesen-Vorschlag, der bei Schulen und Kindergärten sicher gut ankommt. Sie können den Jungen mit Bauchschmerzen dann einfach zu den Kindern dazu setzen, die von Vornherein mit diversen anderen Krankheiten morgens dort trotzdem abgegeben wurden, weil Eltern nicht wissen wohin mit dem Kind.


Kinderbetreuungsquote geht an Wünschen vorbei


Natürlich kann man das so sehen und im Übrigen ist es genau das, was ja viele Parteien inzwischen als Gleichstellungspolitik verstehen. Dass Frauen nicht nur die gleichen Chancen bekommen, wie Männer, sondern dass sie sie auch tatsächlich nutzen und wir uns zwischen Mann und Frau alle Lebensbereiche 50:50 aufteilen. Am besten eine Hausarbeits- und Kinderbetreuungsquote einführen. Eine hübsche Vision, die aber an den Wünschen und Lebensvorstellungen großer Bevölkerungsschichten völlig vorbeiläuft und missachtet, dass es Familien gibt, die ihr Leben ganz anders gestalten wollen. Familien wie meine zum Beispiel. Diese sind im Plan nicht vorgesehen, sie sollen Opfer bringen, denn schließlich geht es hier nicht um unser ganz privates Glück, unser Leben, sondern um eine Mitverantwortung für das Leben all der anderen. So fordert Frau Beste-Fopma letztendlich, dass all wir Frauen, die wir immer noch mehr Kindererziehung und mehr Hausarbeit leisten, endlich einsehen, dass wir unser Leben ändern müssen. Denn, Zitat: „Wenn die Mütter immer die Familie dem Beruf vorziehen, machen sie es damit anderen Mütter, die arbeiten wollen schwer. Denn das Image ist ruiniert!“ Wie bitte, liebe Frau Beste-Fopma?


Ich mache Ihnen also das Leben schwer, weil ich nicht das gleiche Leben führe wie Sie? Stellen wir uns doch mal kurz mit gleichen Standpunkt auf meine Seite. Wie würde es Ihnen so gefallen, wenn Frauen wie ich fordern, Sie sollten doch endlich ihren Beruf zurück stellen und sich der traditionellen Rollenteilung hingeben, damit wir Frauen, die zu Hause als „Heimchen am Herd“ verschrien sind – unser Ruf ist schließlich schon lange ruiniert – es nicht so schwer haben? Eine absurde Forderung, die ich nicht stelle und sonst auch niemand, weil es natürlich zu respektieren ist, wenn Sie ein anderes Leben führen wollen und sich mit Ihrem Ehemann auf eine andere Verteilung der familiären Aufgaben geeinigt haben. Warum also sollte ich mich mit meinem Leben anpassen, wenn ich doch ein anderes führen will? Gilt denn meine Selbstverwirklichung weniger als Ihre? Eine Lösung kann doch nur sein, wenn wir diese vielzitierte Vielfalt in der Gesellschaft endlich ernst nehmen und allen Modellen die gleiche Aufmerksamkeit und Daseinsberechtigung schenken – also auch die gleiche finanzielle Unterstützung.


Kinder als Bonus


Es ist auch übrigens keine Lösung, dass der Fakt, dass man Kinder hat, als Risikofaktor bei der Karriere  gilt und nun als ebensolcher Risikofaktor nun auf Vater und Mutter 50:50 aufgeteilt wird. Denn wir sind dann allesamt immer noch ein Risikofaktor gegenüber Menschen die gar keine Kinder haben. Sie werden immer flexibler und ungebundener sein als alle Mütter und Väter zusammen. Ziel von Familienpolitik, die wirklich Familien unterstützen will, kann doch nur sein, dass Kinder zu haben überhaupt kein Risikofaktor mehr ist, sondern möglicherweise als Bonus gilt – bis hin in die Rente.


Ich will nicht weiter Risiken aufteilen sondern endlich eine angemessene Anerkennung dafür, dass ich Geldeinnahmen und Karrierechancen zurückstelle, damit ich meine Kinder so großziehen kann, wie mein Mann und ich es uns vorstellen. Und sie möglicherweise zu den jungen Erwachsenen erziehen, die anschließend als sogenannte „Zukunft unseres Landes“ die Sozialsysteme von morgen stützen. Würden wir das nicht tun, würden wir doch der Allgemeinheit eine Menge an Kosten verursachen, denn staatliche Betreuung, die wir im Gegenzug bräuchten, ist eine teure Angelegenheit. Ich hab auch nicht länger Lust mit meinen Steuergeldern Krippenplätze und Ganztagsschulen mitzufinanzieren, die unsere Familie nicht nutzen will, die wir aber solidarisch für diejenigen Eltern selbstverständlich mitbezahlen müssen, die solche Plätze in Anspruch nehmen. Ich will nicht länger hinnehmen, dass man mir sagt, dass es doch meine persönliche Pflicht und mein persönliches Vergnügen sei, dass ich Kinder habe, ich mir also gefälligst selbst und selbstlos auf meine Kinder aufpassen soll und nicht erwarten kann, dass man mir finanziell dabei genauso hilft, wie man den Eltern hilft, die für ihre Berufstätigkeit eine staatliche Betreuung nutzen.


Nein danke, nicht mit unseren Kindern


Und dabei brauche ich auch Betreuung, aber ich will keine Betreuung nach DIN-Norm, ich will sie mir selbst organisieren, so dass es zu unseren Familienabläufen passt. Und so, dass die unterschiedlichen Altersklassen unserer Kinder zwischen 5 und 14 Jahren möglichst so abgedeckt werden, dass die Geschwister sich noch sehen und nicht auf verschiedene Institutionen aufgeteilt den Tag verbringen. Wo ist eigentlich mein Budget aus dem Subventionstopf? Sie und ich, wir arbeiten beide in der Medienbranche. Ich kenne keine Redaktion, deren Arbeitszeit zur Öffnungszeit von Kitas passt. Auch in anderen Branchen ist das nicht selten so. Schichtdienst, Wochenendarbeit, wir brauchen Kinderbetreuungslösungen, die den Familien gerecht werden und nicht Familien, die dem Arbeitsmarkt gerecht werden. Und nein, das sind nicht 24-Stunden-Kitas, denn unsere Kinder sind nicht Objekte. Wir würden es keinem Haustier zumuten, es ständig woanders unter zu bringen, weil wir arbeiten gehen müssen. Ich möchte gerne weiterhin für mein Kind da sein können, wenn es mich braucht und ja, ich werde es auch weiterhin abholen von der Schule, wenn es über Schmerzen klagt. Was geht wohl in einem Kinderkopf vor, dem unterschwellig und auch direkt mitgeteilt wird, krank zu sein, sei kein Grund, damit Mama oder Papa ihre Arbeit unterbrechen? Unsere Kinder haben es verdient, dass wir sie ernst nehmen. Unsere Lehrer und Erzieher in Kitas und Schulen sollen unsere Kinder unterrichten, ihnen Bildung vermitteln, das ist ihre Aufgabe. Sie sind keine Krankenschwestern und keine Pflegestation. Und unsere Kinder sind nicht nur kleine Menschen, die funktionieren müssen wie Maschinen. Insofern, gut gemeint Ihre Vorschläge, aber nein danke. Nicht mit unseren Kindern.
Erschienen bei: A.T. Kearney 361 Grad - Die Neuerfindung der Familie

A.T. KEARNEY 361 GRAD


Kinderarmut ist Elternarmut
von Birgit Kelle


Zunächst die gute Nachricht: Den allermeisten Kindern in Deutschland geht es gut, die schlechte bleibt: Trotz allem gibt es laut der neuesten Untersuchung von UNICEF in Deutschland einen Anteil von 8,6 Prozent Kindern die in langfristiger Armut leben in unserem Land. „Armut“ definiert sich dabei so, dass alle Kinder in Armut leben, die aus Haushalten stammen, die mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens auskommen müssen. Klingt dramatisch ist aber zunächst eine relative Zahl.  Würden sich ein paar Millionäre mehr in Deutschland ansiedeln, stiege dadurch das Durchschnittseinkommen in Deutschland und es würde sich durch den Wohlstand auf der einen Seite paradoxerweise sogar der Anteil der „Armen“ vergrößern, ohne dass sich bei Ihnen auch nur ein Cent weniger oder mehr im Geldbeutel einfindet. Soweit die Definition von Armut, die immer ein bisschen mit Vorsicht zu genießen ist, weil selbstredend ein Spielball im politischen Alltag.


Dennoch lässt es sich nicht verleugnen, in zahlreichen Haushalten mit Kindern lebt man auf geringem, finanziellem Niveau. Unicef zählt die besonders betroffenen Risikogruppen auf: „Kinder alleinerziehender und arbeitsloser Eltern, Kinder mit Migrationshintergrund sowie Kinder in problematischen und gewaltbelasteten Lebensverhältnissen.“

Erschienen bei A.T. Kearney 361 Grad - Die Neuerfindung der Familie, weiterlesen hier

WIRTSCHAFTS WOCHE

Entlasst die Familien in die Freiheit
von Birgit Kelle



In Zeiten neuer Regierungsbildung schwebt ja immer ein bisschen Hoffnung auf Veränderung im Raum. Neues Spiel, neues Glück, neue Minister – aber auch neue Standpunkte, Visionen? Zumindest was die Gesellschaftspolitik in Deutschland betrifft, gibt es keinen Grund zur Hoffnung auf bahnbrechende Veränderungen. Wer sollte sie auch durchsetzen?




Wer bei der vergangenen Bundestagswahl seine Wahlentscheidung anhand der unterschiedlichen Positionen in der Familienpolitik ausmachen wollte, hatte die Wahl zwischen Not und Elend. Lassen wir einmal die CSU außen vor, die einzige Partei des deutschen Bundestages, die sich noch Gedanken über die traditionell lebende Mehrheit der deutschen Familien Gedanken macht, denn sie ist nur in einem Bundesland zu wählen. Alle familienpolitischen Ideen der restlichen Parteien im deutschen Bundestag drohen derzeit in einem sozialistisch geprägten Kollektiv zu versinken. Sollte das gern zitierte Attribut der Kanzlerin, „alternativlos“, jemals wirklich zutreffend gewesen sein, dann in der parteiübergreifenden Ausrichtung unserer Familienpolitik. Keine Alternative, nirgends.

Erschienen in Wirtschafts Woche, weiterlesen hier


DIE WELT


Das Betreuungsgeld sorgt für Gerechtigkeit


Kleine Kinder gehören zur Mutter. Ein finanzieller Ausgleich für Eltern, die ihre Kleinkinder zu Hause betreuen, ist deshalb längst überfällig. Von Birgit Kelle


Das Recht und die Pflicht zur Erziehung der Kinder liegen bei den Eltern, so steht es im Grundgesetz. Dennoch setzt unsere Familienpolitik alles daran, Kinder schon nach einem Jahr zu Hause auszugliedern. Als vierfache Mutter stellt sich mir die Frage: Wann genau soll denn diese Erziehungsarbeit stattfinden, wenn die Familie schon nach einem Jahr getrennte Wege geht? Elternkompetenz erwirbt man nicht im Kreißsaal. Die Geburt ist nur der Startschuss zu einem langjährigen Lernprozess, der Eltern immer wieder neu herausfordert.


Sie können an dieser Aufgabe wachsen und immer wieder auch kläglich scheitern. Eltern sind nicht unfehlbar, aber sie haben eine unersetzbare Motivation: die Liebe zu ihren Kindern. Die Überzeugung, dass ihr Kind etwas ganz Einzigartiges ist, auch wenn sonst niemand daran glaubt. Die Gesellschaft will doch genau diese individuelle Förderung, das Entdecken jedes einzelnen Talents. Sie braucht die Leitwölfe später in der Wirtschaft – und zwängt doch alle Kinder in eine Herde von Schafen.


Erschienen in DIE WELT, weiterlesen hier

A.T. Kearney 361 Grad


So tun, als hätte man keine Kinder


Das größte Problem in der Vereinbarkeitsdebatte von Familie und Beruf ist: Es lässt sich in der Regel gar nicht vereinbaren. Was sich verbal so schön anhört, ist in Wirklichkeit ein ständiges Ausbalancieren, Abwägen und Prioritätensetzen. Es lässt sich addieren – was zumindest eine realistische Betrachtungsweise wäre – aber vereinbaren heißt nichts anderes, als dass wir Kinder bekommen, um dann im Erwerbsleben so zu tun, als hätten wir keine. Dann erst ist nach modernem Verständnis die Vereinbarung perfekt gelungen. Wenn Kinder die Arbeitsprozesse nicht mehr stören, wenn Beruf abseits von Kindern möglich ist.


Ich wollte noch nie etwas vereinbaren, ich wollte einfach beides – aber nicht zwangsläufig immer gleichzeitig. Darin liegt heute das Problem. Denn wie vereinbare ich bitte schön ein weinendes Baby mit einer Schaltkonferenz? Richtig: Gar nicht. Entweder oder. Und so gilt Vereinbarkeit eben dann als perfekt, wenn für die Betreuung der Kinder irgendwie gesorgt ist. Egal wie.


Erschienen bei A.T. Kearney 361 Grad, hier weiterlesen


Familie oder Staat


Sind wir nicht alle ein bisschen Betty?


Interview mit Birgit Kelle über Homoehe, Betreuungsgeld, Patchwork, Fernsehen und Werte
 

Focus Magazin


Wir brauchen einen femininen Feminismus


Der berufstätigen, kinderlosen Frau liegt die Welt zu Füßen. Die nächste Frauenbewegung wird sich um die Mütter kümmern müssen


Frauen und Kinder zuerst – was auf hoher See noch gelten mag, ist spätestens an Land nur noch eine Phrase. Der Sinn der Frage „Wen rette ich zuerst?“ entstammt dem einst geltenden Grundsatz, dass es für das Überleben einer Gesellschaft wichtig ist, diejenigen zu schützen, die den Fortbestand der Generationen sichern: potenzielle Mütter und Kinder. Fallen sie weg, hat auch die Gesellschaft der Männer keinen Bestand.

Zumindest vordergründig kümmert sich die deutsche Familienpolitik aufopferungsvoll um die Frau in unserem Land. Wir haben Tausende von Frauenbeauftragten, den Girls´ Day, Mentoring-Programme für Frauen- und Mädchenförderung, so weit das Auge reicht. Doch Frau ist nicht gleich Mutter. Nur diese aber kann das Leben weitertragen.


Erschienen in FOCUS, weiterlesen hier

Freiewelt.net


Das ideale Kind


Einfach nur spielen war gestern. Kind sein ist heute ein Fulltime-Job – was nicht passt, wird passend gemacht.


Unvorstellbar müssen die Zustände früher gewesen sein. Die Kinder kamen einfach, wann sie wollten. Manche waren Jungs, manche Mädchen, man wusste es vorher nicht einmal. Sie schliefen ohne Durchschlafsprechstunde. Manche schliefen auch nicht und brüllten, die hat man dann eben länger wach gelassen, getragen oder im Elternbett abgelegt. Sie aßen, was auf den Tisch kam, schafften ohne Ritalin die Schule und wenn sie sich geprügelt hatten, gab es Nachsitzen. Sie spielten auf der Straße, mit Freunden, die sie sich selbst aussuchten, vergaßen ihre Hausaufgaben und haben trotzdem die Schule geschafft.


Heute sind wir endlich weiter, wir haben die Vorgänge optimiert, jedes Kind weiß heute, was es abzuliefern hat. Es wird nicht weiter Lebenszeit mit sinnlosem Rumgespiele verplempert, jede Sekunde wird genutzt. Am besten schon im Bauch. Zeit ist Geld. Und wenn es nicht funktioniert, ist klar, wer Schuld hat: Die Eltern, sie haben es versaut.


Erschienen bei Freiewelt.net hier weiterlesen

Junge Freiheit


Die Einzelkämpferin


Kristina Schröder ist mit ihrer Vorstellung von Familien- und Frauenpolitik eindeutig in der falschen Partei. Allein auf weiter Flur steht sie mit ihrem Festhalten am Betreuungsgeld oder gar mit ihrem Frontalangriff auf den Feminismus in Deutschland. Die eigenen Parteifreundinnen in der CDU verweigern ihr die Gefolgschaft. Während sich die Bundeskanzlerin nahezu als einzige Frau hinter die Ministerin stellt, oder ihr zumindest nicht öffentlich in den Rücken fällt, sind andere da weniger zimperlich.


Die versammelte Frauenunion und allen voran Ursula von der Leyen haben ganz andere Ansichten darüber als die Ressortchefin selbst, wie geglückte Frauen- und Familienpolitik in einem modernen Deutschland aussieht. Sie wollen eine gesetzliche Frauenquote und verteufeln das Betreuungsgeld. Sie gehören aber auch nahezu alle einer anderen Frauengeneration an als die Ministerin. Und so gerät das Ringen um den richtigen Weg für Frauen derzeit zu einem Machtkampf zwischen der Generation der Feministinnen, die sich ihren Weg hart erkämpfen mußten und derzeit ihre Felle wegschwimmen sehen, und der Generation ihrer selbstbewußten Töchter, die gar nicht daran denken, die alten Grabenkämpfe weiter auszutragen.


Erschienen in JF, weiterlesen hier

 


Brand Eins


Vorsicht Studie!


von Birgit Kelle und Maria Steuer


Die Politik legitimiert ihre Entscheidungen gern durch Forschungsergebnisse. Warum es sich für den Bürger trotzdem lohnt, genau hinzuschauen, zeigt das Beispiel Familienförderung.


Im Zwei-Jahres-Rhythmus durchforstet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) das statistische Material zum weltweiten Stand von Familie und Geburtenrate; Studien wie "Doing better for children" (2009) oder "Doing better for families" (2010) werden gern zur Begründung politischer Maßnahmen herangezogen und sind als wissenschaftlicher Gradmesser anerkannt. Maria Steuer und Birgit Kelle, beide in Familien- und Frauenverbänden aktiv und keine Anhängerinnen der aktuellen Familienpolitik, haben die jüngste Studie einer genaueren Prüfung unterzogen. Ergebnis: In Teilen widerspricht diese Studie von 2010 der von 2009 - allein deshalb, weil die Interessen von Frauen, Familien und Kindern nicht immer deckungsgleich sind.


Fazit der Autorinnen: "Wie am Ende entschieden wird, ist nicht Wissenschaft, sondern Politik."


Erschienen im Magazin Brand Eins, hier weiterlesen