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Kolumne Volle Kelle

Lauft, Frauen, lauft!



Nein, was für eine neue Freiheit! US-Arbeitgeber bezahlen jetzt das Einfrieren der Eizellen, damit ist endlich Platz für Karriere und Arbeit bis zum Umfallen in den besten Jahren unseres Lebens. Hoch lebe die Emanzipation.
Was haben das Thema Abtreibung und „Social Freezing“ eigentlich gemeinsam? Auf den ersten Blick – sollte man meinen – nicht viel. Bei Abtreibung wird menschliches Leben getötet, beim „Social Freezing“ menschliches Leben geschaffen. Auf den zweiten Blick sollte es einem aber eiskalt den Rücken runterlaufen.
Seit einer Weile tobt hier beim The European eine Abtreibungsdebatte, einige Kollegen haben sich des Themas bereits angenommen. Es ist viel die Rede von den Rechten der Frau. Mein Bauch gehört mir, das ist ja noch kein Leben da im Bauch, Zellhaufen. Wir reden von Selbstbestimmung der Frau, manche gar vom „Recht auf Abtreibung“. Damit sind wir mitten in der Befreiungsrhetorik der feministischen Bewegung, die uns Frauen mit diesem „Recht“ ja endlich von unseren biologischen Fesseln, dem niederen Dasein als abhängige Frau befreien wollten.
Wir sollen frei sein – ja wofür eigentlich? Genau, für den Arbeitsmarkt, die Karriere, die Selbstbestimmung, das Geldverdienen. So wie die französische Feministin Elisabeth Badinter es in ihrem Buch „Der Konflikt: Die Frau und die Mutter“ ja auch bis in die Neuzeit hin beschrieben hat. Das Kind sei der beste Kollaborateur des Mannes in der Aufrechterhaltung des Patriarchats. Der Mutterinstinkt ebenfalls eine perfide Erfindung des männlichen Systems. Muttergefühle nur geschaffen, um uns ein schlechtes Gewissen einzureden, wenn wir nicht beim Kind bleiben, geschaffen, um uns weiterhin an Haus und Herd zu fesseln. Das Kind als „Parasit“ an der Brust der Mutter. Klar, dass da Abtreibung wie eine Hinüberführung in das gelobte Land der Unabhängigkeit erscheint, dafür nehmen wir in Kauf, unsere eigenen Kinder zu töten. Freiheit kostet eben was. ... weiterlesen

Gendergaga



Facebook bietet seinen deutschen Mitgliedern die Wahl aus 60 verschiedenen Geschlechtern. Die Abteilung „Dinge, die die Welt nicht braucht“ ist damit um ein Kapitel reicher.
Immerhin, wir haben die USA endlich mal in einem Punkt überholt. Deutschland bekommt zwei Geschlechter mehr als die Amerikaner. In vertrauensvoller Zusammenarbeit mit Schwulen-, Lesben- und Transgenderverbänden hat Facebook nach Großbritannien und den USA jetzt auch für Deutschland die Möglichkeit geschaffen, sich sein Geschlecht aus 60 Optionen auszusuchen. Die Amis bringen es nur auf 58, die Briten dafür auf 70 Geschlechter, aber die fahren ja auch auf der falschen Straßenseite.
Die Abteilung „Dinge, die die Welt nicht braucht“ ist damit um ein Kapitel reicher. Jeder ist das, was er fühlt. Geschlecht nur noch soziale Konstruktion und nicht mehr eingeengt durch die unerbittlichen Fesseln der Biologie. Vergessen Sie den Badezimmerspiegel und die Chromosomen: Jeder ist was er/sie/es/* will. Und wenn ich heute verkünde, dass mein Geschlecht ab sofort „Butch“ ist, dann bin nicht etwa ich ein Fall für einen guten Therapeuten, sondern mein ungläubiger/s/* Gegenüber ein Fall für die Antidiskriminierungsstelle. Wird Zeit, dass der Deutsche Ethikrat eine Sondersitzung einberuft, bislang hatte man sich dort nur mit einem möglichen dritten Geschlecht beschäftigt. Ganz schön fahrlässig. ... weiterlesen

An ihren Taten messen



Katrin Göring-Eckardt will ihre grüne Partei offenbar auf einen neuen familienpolitischen Kurs bringen. Oder ist es nur Wahlkampftaktik?
„Auch mit Kindern zu Hause zu bleiben, muss möglich sein. Ich habe es selbst gemacht“ – diese Worte der grünen Fraktionsvorsitzenden, nachzulesen in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom vergangenen Sonntag, muss man schon fast zweimal lesen, um sie zu glauben. Solche Töne hat man von den Grünen lange nicht gehört. Man habe früher gesagt: „Frauen, ihr sollt arbeiten, macht euch unabhängig“, so Göring-Eckardt, selbst Mutter zweier Söhne, jetzt fürchtet sie durch diesen Kurs eine Gesellschaft, in der kein Raum mehr für Beziehungen bleibe. Auch die Forderung nach Abschaffung des Ehegattensplittings sei ein Fehler gewesen im vergangenen Wahlkampf. Man habe wohl den Eindruck erweckt, man wolle die Ehe abschaffen, jetzt freut sie sich, wenn Menschen heiraten.
Das hört sich wunderbar an und Politiker, die „Fehler“ eingestehen, hat man ja auch selten. Aber nicht nur als Leser reibt man sich verwundert die Augen ob dieser verbalen Kehrtwende. In der linken „taz“ ist man schon in Alarmbereitschaft, dort warnt Kollegin Schmollack, Göring-Eckardt würde sich schon wie einst Kristina Schröder anhören, was Höchststrafe ist auf der Beleidigungsskala der „taz“. Die Grünen sollten auf keinen Fall ihre „Kernthemen“, die „Gleichstellung aller Geschlechter und eine Gesellschaftspolitik jenseits traditioneller Rollenbilder“ aufgeben. ... weiterlesen

Im Zweifel gegen die Eltern



Manuela Schwesig will ein Recht der Kinder gegen das Erziehungsrecht der Eltern konstruieren. Ein Generalverdacht par excellence!
Sind Kinder keine Menschen? Das ist der erste von vielen Einwänden, der mir spontan einfiel, nachdem Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig aktuell einmal wieder die Verankerung von Kinderrechten in der Verfassung forderte. Unsere Verfassung unterscheidet nämlich weder zwischen Alter noch Geschlecht eines Menschen in Artikel 1 Grundgesetz. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ steht dort in Absatz 1. Da steht weder etwas vom Alter noch von Größe noch vom Geschlecht, nichts von geistiger oder körperlicher Verfassung. Einfach nur Mensch. Halten wir also fest: Es gibt keinen offensichtlichen oder zwingenden Grund, Kinder mit besonderen Rechten in der Verfassung noch einmal zusätzlich zu berücksichtigen, denn sie haben den vollen Schutz unseres Grundgesetzes sowieso.
Warum also diese Forderung nach besonderen Kinderrechten, die jetzt zwar aktuell von Frau Schwesig artikuliert wurde, von zahlreichen anderen Politikern aber ebenfalls in regelmäßigen Abständen gestellt wird aus unterschiedlichen politischen Lagern? Nun, zunächst ist es opportun: Schutz und Rechte für Kinder zu fordern, wer mag da schon etwas dagegen haben? Liegen uns nicht allen die Kinder besonders am Herzen? Ja, es macht sich gut, etwas für Kinder zu tun, es ist so menschlich und herzerwärmend und politisch kaum angreifbar. ... weiterlesen

Ice, Ice, Baby



Früher musste die Karriere auf Eis gelegt werden für die Kinder – heute soll es andersherum funktionieren. Was als weiterer emanzipatorischer Schritt gefeiert wird, ist in Wirklichkeit Abzocke, die mit den Ängsten von Frauen spielt.
Es wird als Sieg der Frau über ihre eigene Biologie gefeiert und schwappt als Trend gerade aus den USA nach Deutschland: Social Freezing. Frau lässt sich ihre Eizellen in jungen Jahren einfrieren, um sie bei Bedarf wieder aus dem Eisregal zu holen. Der medizinische Fortschritt macht es möglich, sich unbelastet von Torschlusspanik und laut tickender, biologischer Uhr erst einmal um Karriere und sonstigen Lebensinhalt zu kümmern und den Kinderwunsch auf später zu vertagen. Das ganze nennt sich dann Emanzipation. Soweit die Theorie. ... weiterlesen

Grandios gescheitert



Das Elterngeld ist unsozial und ineffektiv. Aufregen tut sich niemand: Mütter sitzen ja eh bloß in der Küche.
Das deutsche Elterngeld bevorzugt Väter und benachteiligt Mütter. Diese bekommen im Schnitt nur gut 60 Prozent dessen, was Vätern ausbezahlt wird. Damit haben wir hier den größten „Gender-Pay-Gap“ des Landes. Während also von feministisch bewegter Seite immer wieder bemängelt wird, dass dieser Gap, die Vergütungslücke zwischen Mann und Frau, auf dem Arbeitsmarkt eine große Ungerechtigkeit sei, die unbedingt beseitigt werden muss, ist sie beim Elterngeld sogar staatlich vorprogrammiert. ... weiterlesen

„Der Seelenvogel ist tief, tief in uns“



Eine CDU-Politikerin will den Elternführerschein einführen. Wer aber schon mal auf einem der Kurse war, die als neue Sanktion drohen, weiß, warum das Quatsch ist. Ein Erfahrungsbericht.
Die CDU-Bundestagsabgeordnete und Obfrau im Familienausschuss, Christina Schwarzer, möchte erziehungsunwillige – alternativ: unfähige – Eltern zu einem sogenannten Elternführerschein zwingen. Es gäbe Eltern, die überfordert seien, oder „schlichtweg keine Lust“ hätten, sich um die Kleinen zu kümmern. Bei der Schuleingangsuntersuchung sollen diese Eltern nach dem Willen von Frau Schwarzer nun herausgefiltert werden und wahlweise zu Kursen zwangsverpflichtet oder bei Verweigerung zu Geldstrafen verdonnert werden. Nun existieren ohne Zweifel Eltern, die sich nicht angemessen um ihre Kinder kümmern. Die Frage, die offen bleibt, ist jedoch: Wer definiert, was „angemessen“ ist?
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Lasst doch mal den Vati ran



In den Diskussionen um Familienpolitik gehen Väter meistens unter. Warum eigentlich?
Am Sonntag ist es wieder so weit: Muttertag. Wir werden zwar nach wie vor nicht mehr Rente vom Staat, aber zumindest wieder Blumen von der Familie bekommen und Gebasteltes und kalten Kaffee ans Bett und wir werden uns freuen. Immer fällt mir dabei eine Zeile aus dem schwedischen Kinderbuch-Klassiker „Hänschen im Blaubeerenwald“ von Elsa Beskow ein. Am Schluss heißt es dort, als der schön gedeckte Tisch für Mutti liebevoll arrangiert dasteht: „Und die Mutter freute sich so, wie nur Mütter sich freuen können.“
Denn ja, ich empfinde es als Mutter auch oft so. Mein Herz schwappt bis an die Kitschgrenze über angesichts selbst gebastelter Makkaroni-Ketten, verwelkter Blumen in zu großen Vasen, von Regenbogenbildern und allerlei begeistert überreichter Dekoration für all die Fensterscheiben des Hauses, die es von außen nicht unbedingt schöner, aber individuell aussehen lassen. Ja, wir Mütter dürfen uns an unseren Kindern freuen und wir tun es gern. ... weiterlesen

Schwestern bis in den Tod



In Berlin hat ein Friedhof für lesbische Frauen eröffnet. Warum diese Abgrenzung?
„Liebe Gästinnen und Gäste, es wird möglich sein, auch nach dem Tod unter Schwestern zu sein“ – mit diesen Worten eröffnete am Sonntag der erste Friedhof nur für Lesben am Prenzlauer Berg in Berlin.
Vereint unter Lesben bis in den Tod, ohne störende Heten oder Männer, das ist jetzt möglich auf dem Georgen-Parochial-Friedhof, auf dem ab sofort 80 Grabstellen exklusiv bereitstehen für verstorbene Lesben. 15.000 Euro hatte man gesammelt, um das Areal herzurichten, sechs Präventivanmeldungen lagen zum Sonntag bereits vor. Frau hat schon mal reserviert. Gut, wenn man auf den Tod vorbereitet ist. Und zunächst der Gedanke, ja, warum nicht, schließlich werden Ehepaare auch nebeneinander begraben, wenn sie es wollen. Oder Familien in Familiengräbern. Ist ja zutiefst menschlich, dass man neben seinen Liebsten in ewiger Ruhe liegen möchte. ... weiterlesen

„Puff für alle“ als pädagogisches Stilmittel



Während die Medien blumige Vorstellungen von Toleranz haben, geht es in den Klassenzimmern der Republik um Dildos, Potenzmittel oder Vaginalkugeln. Eine Aufklärung.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeigt sich gesprächsbereit. Kirchenvertreter sind geladen, um über den Bildungsplan zu diskutieren. Ein vorprogrammiertes Possenspiel am Thema vorbei.
Es könnte ja Ausdruck guten Willens sein. Nein, wir wollen diese Option nicht ganz aus dem Spiel lassen, wenn sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann nächste Woche mit ausgewählten Vertretern der Kirche zu einem Gespräch über den Bildungsplan in Baden-Württemberg trifft. Ein wenig spät zwar, aber immerhin. Nach mehreren Demos, die nächste steht am 5. April an, und einer Petition, die fast 200.000 Menschen unterschrieben haben, hätte die Partei, die angetreten ist, mehr Bürgerbeteiligung durchzusetzen, auch früher auf den Gedanken kommen können. Es drängt sich die Vermutung auf, ginge es hier nicht um Widerstand gegen mehr sexuelle Vielfalt im Unterricht, sondern beispielsweise um einen Bahnhof oder eine seltene Hamsterart, die zwangsweise umgesiedelt werden soll, man hätte wohl früher an den runden Tisch gebeten. ... weiterlesen

Spielen im Opfer-Modus



Schöne neue Welt: Jetzt sollen also auch noch Kinderspielplätze gendersensibel gestaltet werden.
Was haben Aufsichtsräte und Spielplätze gemeinsam? Beide sind nicht gendersensibel genug, die großen und kleinen Mädchen haben nicht genug Spielraum. Für die einen gibt’s demnächst die Frauenquote, um die Spielplätze kümmert sich jetzt die SPD.
Die Abteilung „Wir haben sonst keine Sorgen“ hat sich ein neues Terrain mit maximaler Mädchenunterrepräsentanz gesucht: die Kinderspielplätze. Die SPD in München will nun nach dem Vorbild der Stadt Wien den Spielraum in der Stadt gendergerecht umgestalten. Separate Mädchenhäuser und Jungshäuser und mehr Klettergerüste und Wasserspielzeug, weil das eher die Mädchen anspricht. Diese sind dort nämlich weniger häufig anzutreffen, das schreit nahezu nach Ungerechtigkeit und ungeahnten Budgets.
Gut, man hätte sich auch mit der Überrepräsentanz von Jungs als Schulschwänzer, Sitzenbleiber, Gewaltkriminelle und Ritalinschlucker beschäftigen können, schließlich sind dies ebenfalls total ungerechte Jungendomänen – war aber als Thema wohl nicht so sexy und dazu auch noch so unangenehm realistisch. Dann lieber Genderseifenblasenpusten auf Spielplätzen. ... weiterlesen

Unter Wölfen


Wir Frauen verschenken Sex heute ohne die Gegenleistung einer festen Bindung. Und glauben auch noch, das wäre so etwas wie eine Befreiung. Eine Gegenrede auf Bascha Mika.
Bascha Mika gehört zu meinen Lieblingskontrahentinnen. Mehrfach saßen wir uns bereits in Talksendungen gegenüber. Sie ist klug und bissig, mit dieser lächelnden, fiesen Art, wie es nur Frauen können. Also eine respektable Gegnerin. Ja, ich finde sie sogar sympathisch, was ich nicht über viele Protagonistinnen der Szene sagen kann. „Sie kriege ich auch noch, Frau Kelle“, so gingen wir bei der letzten Begegnung scherzend auseinander. Nein, ganz so weit wird es nicht kommen, es sei denn, sie nimmt ihr Buch „Die Feigheit der Frauen“ zurück, aber jedenfalls kann man mit ihr herrlich streiten.
Gerade hat Mika einen neuen Chefredakteursposten bei der „Frankfurter Rundschau“ angetreten. Also Karriereschritt nach vorne. Und das mit 60 Jahren. Parallel erscheint ihr neues Buch, ausgerechnet zum Thema Altersdiskriminierung bei Frauen. Das passt doch nicht, Frau Mika! Im Interview mit dem „Spiegel“ klingt es dann fast ein bisschen wehleidig. Männer altern, Frauen verblühen. Wir Frauen seien immer noch an unseren Körper gekettet und jedes Jahr mehr gäbe ein Minus in der Gesamtbilanz. Daran schuld sei aber nicht etwa die unvermeidliche Biologie, sondern Schönheitsideale, die sich seit Jahrtausenden nicht bewegen und dazu führen, dass wir Frauen eben aussortiert werden, wenn wir alt und hässlich sind. ... weiterlesen

Gleichberechtigt „schwarzern“



Endlich macht sich die Gleichberechtigung auch bei der Steuerhinterziehung bemerkbar! Danke Alice!
Wieder eine Männerdomäne erobert. Diesmal das Schwarzgeld. Und ja, es tut mir auch wirklich leid, dass der Name von Alice Schwarzer so wunderbar einlädt zu ganz neuen Wortschöpfungen im Zusammenhang mit dem Vorbeischaffen von Steuergeldern am Fiskus. „Schwarzern“ – dass da vorher noch niemand drauf gekommen ist! Gut, man kann es positiv betrachten: Nur Frauen, die richtig Kohle machen, können überhaupt schwarz am Staat welches vorbeischaufeln. Diese Feminismus-Industrie muss ja wirklich ein einträgliches Geschäft sein.
Und Sie haben völlig recht, Frau Schwarzer, wenn Sie Ihr Geld nicht einfach ausgegeben haben. „Die sparsame Hausfrau ist der Grundstock zum Vermögen“, sagt ein altes Sprichwort. Die sparsame Feministin hat also doch etwas gemeinsam mit dem Heimchen am Herd. Insofern ist es selbstredend erst einmal ein feministischer Erfolg, dass Alice Schwarzer Schwarzgeld besaß. Während aber Lieschen Müller mit der mageren Haushaltskasse, die vom unterdrückenden Ehemann zugeteilt wird, mangels Masse keinen großen Spielraum hat und höchstens einen heimlichen Vorrat an Milka-Nuss-Schokolade vor ihren Kindern versteckt, hat die moderne Frau von heute natürlich größeres Basiswissen und Budget. ... weiterlesen

Mittwochsteilzeitpapa



Sigmar Gabriel mutiert zum Vorzeigepapa. Signal an die Väter im Land oder nur Medienspektakel?
Sigmar Gabriel hat angekündigt, sich auch weiterhin Mittwochnachmittags um seine Tochter kümmern zu wollen, da sei er dran. Wow, toll. Seine Frau sei berufstätig. Noch ein SPD-Pluspunkt. Moderne Ehe. Die Presse überschlägt sich, die Parteikollegen auch. Ja da geht ein Karrieremann mutig den Schritt voran und zeigt, wie wichtig ihm die Familie ist.
Oder doch nicht? Dies Zurschautragen einer elterlichen Selbstverständlichkeit baut leider gleich zwei falsche Illusionen auf. Zum einen erweckt es den irrtümlichen Eindruck, ein Spitzenjob als Minister, stellvertretender Bundeskanzler und Parteichef ließe sich mit dem Aufziehen eines Kindes vereinbaren. Zum anderen die Illusion, man könnte Kinder artgerecht mit Mittwochnachmittagsteilzeit groß ziehen. ... weiterlesen

Ach Mädchen …



Wladimir Putin, Barbie, Heidi Klum, Markus Lanz, nun also auch Kardinal Meisner. Die Femen kommen weit rum. Soll mal einer sagen, Frauen wüssten ihren Körper nicht einzusetzen.
Josephine Witt hat sich ausgezogen. Auf dem Altar des Kölner Doms. In der Weihnachtsmesse am 25. Dezember. Wir feiern die Geburt Jesu. Es war zudem der Geburtstag von Kardinal Meisner, der die Messe zelebrierte. Es sollte wohl ein ganz besonderer Geburtstagsgruß werden.
Fräulein Witt wollte damit gegen das Machtmonopol und die Ausgrenzung bestimmter Gruppen durch die katholische Kirche protestieren, gab sie diversen Medien anschließend zu Protokoll. Und da gerade Köln als Hochburg der Katholiken in Deutschland gelte und Meisner für eine sehr konservative Ausrichtung stehe, hat sie sich diese Messe ausgesucht.
Meisner reagierte souverän. Segnete den Altar neu ein und betete in der Messe für die junge Dame, die sich auf Englisch (die internationale Presse soll schließlich auch bedient werden) die Wörter „Ich bin Gott“ auf die nackten Brüste gemalt hatte und diese irrige Annahme auch laut in die Kirche brüllte. Gibt’s dagegen nicht auch etwas von Ratiopharm? ... weiterlesen

Denkmalpflege mit Rotlichtfaktor



Alexander Wallasch lebt im ständigen Déjà-vu. Anrufen sollten Sie ihn nicht, sein neues Buch aber profitiert davon.
Lassen Sie sich nicht täuschen, „Pferdefleisch und Plastikblumen“ ist kein Buch über Braunschweig, sondern ein Buch über Menschen. Liebevoll und herzlich und komisch und immer mit einem Hauch Nostalgie auf den Verlust der glanzvollen Zeiten, sollte es diese in Braunschweig jemals gegeben haben. Aber man ahnt sie jedenfalls zwischen den Zeilen. Die Menschen, die in diesem Buch beschrieben werden, scheinen bereits seit Jahrhunderten auf demselben Fleck, hinter derselben Theke und demselben Ladentisch zu stehen, sie gehören zum Inventar. Und damit sind sie die Antihelden in einer Welt modernen Nomadentums, in dem alle gehetzt zur nächsten glückverheißenden Oase weiterziehen, sich entwurzeln lassen für das Versprechen auf einen besseren Job, mehr Geld, mehr modernes Großstadtleben.
Es ist ein Buch gegen all die Verblendeten, die Globalisierten, die auf der ganzen Welt zu Hause sind, aber keine Heimat mehr haben. ... weiterlesen

Das Dinosaurier-Problem



Eine neue Studie enthüllt, was der politische und publizistische Mainstream nicht wahrhaben will: Junge Frauen haben durchaus Lust auf die traditionelle Rollenverteilung in der Familie. Ernst nimmt sie aber leider niemand.
Die Deutschen leben konservativer als noch in den 1990er-Jahren. Frauen kümmern sich mehr um die Familie, Männer mehr um die Karriere und – oh Wunder – die Mehrheit ist damit glücklich. Es gibt Erkenntnisse, für die braucht man keine wissenschaftlichen Studien oder gar Umfragen, da reicht ein wacher Blick auf die Menschen um einen herum.
In diese Kategorie fällt wohl die aktuelle Umfrage des Institutes für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Unternehmens „Vorwerk“, wonach die traditionelle Rollenaufteilung in der Familie nicht etwa ein Auslaufmodell sei, wie uns Politik und Medien gerne weismachen wollen, sondern sogar an Attraktivität gewonnen hat seit den 1990er-Jahren.
Nun gut, in der „Spiegel“-Redaktion ist man ganz mit den Nerven runter angesichts solcher Erkenntnisse. Dort hat man auch einen Erklärungsversuch für die Tatsache, dass vor allem Frauen in diesen „Backlash“ an den Herd eingestiegen sind: Die Resignation der Frauen, die es angeblich leid sind, immer wieder im gesellschaftlichen Kampf gegen „gläserne Decken“ zu stoßen. ... weiterlesen

Ringelpiez mit Laterne



Die Geschichte des Heiligen St. Martin ist eine gute Geschichte für alle Kinder, egal ob Christen, Muslime, Hindus, Juden oder Nichtgläubige. Warum will die nordrhein-westfälische Linkspartei das Fest also umbenennen?
Da macht man als Zugezogener am Niederrhein nichtsahnend die Haustüre auf und wer steht draußen? – Das St.-Martins-Komitee. St. Martin, das ist hier nicht einfach ein vergessener Heiliger mit Laterne. Nein, hier ist das ein Event.
Vorher wohnten wir in der Nähe von Köln, dort war das St. Martins-Fest trotz katholischen Kindergartens eine armselige Veranstaltung. Jedes Jahr das gleiche Elend: Mit Mühe wurde ein Pferd organisiert, in Ermangelung einer Kapelle fuhr ein Wagen mit Lautsprecher vorne weg. Das Feuer wollte entweder nicht brennen, oder es gab solche Stichflammen, dass 100 Kinder einen Satz nach hinten machten. In Ermangelung von Freiwilligen musste jedes Jahr der Diakon wieder ran als Heiliger St. Martin.
Wir liefen mit dem Zug durch schwach beleuchtete Straßen, ab und zu äugte jemand misstrauisch aus der Gardine. Einmal haben wir unsere 4-Jährige im Dunkeln verloren, aber beim Pferd wiedergefunden. Immerhin war man froh, dass es überhaupt noch stattfand, nachdem die örtliche Polizei die St. Martins-Züge streichen lassen wollte wegen des eklatanten Aufwandes für die drei Beamten, die eine halbe Stunde lang gelangweilt eine Kreuzung absperren mussten. Mit den jährlichen Karnevals-Zügen hatte man das nie versucht, ist ja auch was anderes, wenn Erwachsene sich betrinken, randalieren und die Stadtreinigung drei Tage braucht, um das Erbrochene von den Straßen zu fegen. Verstehen wir doch alle, man muss Prioritäten setzen bei der Brauchtumspflege. ... weiterlesen

Vaterlose Krieger


Bestseller-Autor Leon de Winter beklagt eine Entmännlichung der Gesellschaft. Aber Sex- und Gewaltfantasien taugen nicht für ein Revival der Krieger. Eine Antwort.
Lieber Leon de Winter,


ist es moderner Fortschritt, dass eine Verweiblichung der Gesellschaft sich global ausbreitet? Sie sagen, es sei eine Bedrohung. Sie beschreiben richtig das Zurückbleiben der Jungs in der Schule, den Vormarsch der Mädchen, die regelmäßig als Klassenbeste abschneiden. Sie haben erkannt, dass unser Schulsystem so lange Mädchen gefördert hat, bis nun das Pendel zu weit ausschlägt und die Jungs massiv zurückfallen. Weil es nie ein Konzept für explizite Jungenförderung gab. Waren sie doch qua Definition die Gewinner im System, heranwachsende Patriarchen, die man nicht noch zusätzlich fördern, sondern bremsen wollte.
Im Ergebnis haben wir also Jungs, die an weiblichen Maßstäben gemessen werden und damit selbstverständlich nur scheitern können. Die mit ihrem männlichen Verhalten zunehmend stören. Nun explodieren die vermeintlichen ADHS-Diagnosen und das Ritalin wird freimütig verteilt – vor allem an Jungs – damit ist der Klassenfrieden gerettet. So weit, so schlecht – in den Niederlanden offenbar genauso wie in Deutschland. ... weiterlesen

Schluss mit "Tittenbonus"


Frauenquoten und Frauenförderung so weit das Auge reicht – den Männern reicht es allmählich mit der Gleichberechtigung. Unverbesserliche Machos, oder endlich mal ein ehrliches Wort?
Es ist ja schön, dass wir es endlich auch mal schwarz auf weiß haben, aber um es mal vorwegzunehmen: Keine Frau, die halbwegs bei Verstand ist, hätte diese Erhebung des Institutes Allensbach im Auftrag der „Bild der Frau“ gebraucht, die uns nun mit dem bahnbrechenden Ergebnis konfrontiert, dass die Mehrheit der Männer der Meinung ist, es sei genug getan für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Wer mit offenen Ohren und nicht nur mit feministischen Scheuklappen mit Männern redet, hätte das schon lange wissen können. Wer aber ständig aufschreit, kann so schlecht zuhören …
Da ist dies Grummeln, die blöden Sprüche, der Tittenbonus-Effekt. Wenn Männer unter sich reden, oder auch mal öffentlich aufbrausen, wie die Ingenieure bei Daimler Benz in ihrem Firmennetzwerk oder der Piraten-Mann Gerwald Claus-Brunner, dem wir dieses Wort „Tittenbonus“ zu verdanken haben. Ach ja, natürlich, Stammtisch-Niveau, aber gut ausgedrückt, was Männer offenbar wirklich denken über die Frauen, die an ihnen vorbeiziehen – oder in Zukunft noch vorbeiziehen werden – mit Unterstützung von Medien und Politik. ... weiterlesen

Real existierender Unterschied


Egal, wie wir es drehen und wenden: Männer und Frauen sind nun einmal nicht gleich. Wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir verändern können.
Wann ist ein Mann ein Mann? Wann ist eine Frau eine Frau? Das grundsätzliche Problem im Umgang zwischen den Geschlechtern besteht inzwischen nicht mehr in ihrer Unterschiedlichkeit, sondern in unserer Unfähigkeit, diese zu akzeptieren.
Nur eine aufgebrochene Geschlechter-Rolle ist heute noch eine gute Rolle. Das macht die Dinge kompliziert, denn die meisten Menschen leben und verhalten sich nach wie vor innerhalb klassischer Rollenstereotypen. Damit sind sie höchst unmodern und gelten als überholungsbedürftig. Verhaftet in traditionellen Klischees, wo Männer noch die Tür aufhalten und Frauen sich die Rechnung bezahlen lassen. Mein Gott, wie altmodisch!Sozialkonformes Verhalten besteht also inzwischen darin, sich dem jeweils anderen Geschlecht im Verhalten anzunähern. Es zu kopieren. Damit Frau um Himmels Willen nicht typisch weiblich daher kommt und Mann vermeidet, als typisch männlich zu gelten. Frau ist angesehen, wenn sie möglichst einen typisch männlichen Beruf hat, Karriere macht, Macht besitzt und diese auch nutzt. Sich durchsetzt und auf keinen Fall diesem Klischee von Weiblichkeit entspricht, in dem überbordende Gefühle eine Rolle spielen. Ja, dieses Weib steht ihren Mann! ... weiterlesen

Geht wählen!


Nicht wählen zu gehen, um es denen da oben so richtig zu zeigen, ist wie Selbstmord, um dem Leben ein Schnippchen zu schlagen. Es ergibt keinen Sinn.
Herrlich, diese Debatte. Wir diskutieren im Wahlkampf also neuerdings nicht mehr, wen wir wählen im September, sondern ob wir überhaupt wählen. So, als wäre Boykott eine ernsthafte Alternative. Stellt euch vor, es ist Wahl, und keiner geht hin. Ha! Da haben wir es den Großkopferten, den Ignoranten, den Abgehobenen in Berlin aber mal gezeigt. Wir sind einfach nicht hingegangen.
Als Politiker würde ich mich totlachen. Leider haben wir in unserem Wahlgesetz ja keine Klausel, dass ein Ergebnis erst ab einer bestimmten Wahlbeteiligung gilt. Genau genommen ist also völlig egal, wie viele teilnehmen und ob die Wahlbeteiligung noch weiter in den Keller sinkt, weil gutes Wetter ist, schlechtes Wetter ist oder sich der geneigte Wähler aus anderen Gründen am Wahlsonntag gerade unpässlich fühlt.
Wer nicht wählen geht, bewirkt nur eines: Dass er definitiv gar nicht gehört wird und Politik dann eben ganz ohne das Volk stattfindet. Denn eines sollte allen Nichtwählern klar sein: Kein Politiker ist zu beeindrucken mit einer nicht abgegebenen Stimme. Sein Parlamentssitz, seine Aufwandsentschädigung und seine Pension sind ihm auch so sicher. Was ihn aber möglicherweise in Sorge versetzt, ist, dass er dies alles verlieren könnte. Der Nichtwähler interessiert den Politiker also rein gar nicht, er ist irrelevant, niemand, um den es zu kämpfen lohnt. Stattdessen gilt, der Stammwähler muss bedient, der Wechselwähler überzeugt, der Kurzentschlossene begeistert werden. ... weiterlesen

Alle ins Töpfchen


Hausaufgaben abschaffen, damit keine soziale Ungerechtigkeit entsteht, ist, als wolle man bei den Olympischen Spielen jetzt beim Sprint nicht nur dafür sorgen, dass alle zur gleichen Zeit loslaufen, sondern auch dafür, dass alle gleichzeitig ankommen. Wo es nur Sieger gibt, gibt es keine Verlierer mehr. Sozialromantik auf Kosten von Leistung.
Jutta Allmendinger, meine Lieblings-Soziologin aus Berlin, hat wieder zugeschlagen. Diesmal mit dem schulpolitischen Vorschlag, nicht nur Hausaufgaben abzuschaffen, sondern auch flächendeckend alle Kinder in Ganztagsschulen und Ganztagskitas zu stecken. Dies soll soziale Ungerechtigkeiten ausbügeln. Bislang hatte ich von Jutta Allmendinger nur gelernt, dass mein Leben als selbsterziehende Mutter eine emanzipatorische Katastrophe sei und ich mich verblendet in selbstverschuldeter Unmündigkeit mit Stockholm-Syndrom belastet in einem Gefangenenstatus befinde, sprich, in einer Ehe. Immer schön war auch ihr stolzes Bekenntnis, es allein auf Grund einer Frauenquote so weit gebracht zu haben im Leben, was ich mal wertfrei hier in den Raum stelle in Bezug auf ihre Qualifikation. Jetzt beglückt uns die in SPD und grünen Kreisen gerne gesehene Präsidentin des Wissenschaftschaftszentrums Berlin (WZB) mit ihren Vorstellungen von Schulpolitik, die dazu führen sollen, dass kein Kind mehr zurück gelassen wird – allerdings auf Kosten derer, die bislang vorneweg marschierten. ... weiterlesen

Die Sexismusmaschine


Zur Frauenfußball-EM zeigt das ZDF einen Spot mit Waschmaschine. Ist es jetzt schon Sexismus, wenn Frauen bei normalen Tätigkeiten gezeigt werden?
Ich hab nicht viel Zeit, gleich ist wieder eine Waschmaschine, oh pardon, eine Sexismusmaschine, fertig und dann muss ich mich wieder den niederen Hausarbeiten widmen. Mindestens zweimal täglich stehe ich mit beiden Beinen mitten im sexistischen Klischee. Jetzt werde ich erstmal versuchen, die nächste Ladung Wäsche genauso elegant einzulochen wie die weiblichen Beine in dem neuen ZDF-Spot zur Frauenfußball-EM in Schweden. Ich finde ihn nämlich lustig. Spaß, Selbstironie, man findet die Definitionen im Duden. Kann das mal jemand twittern, offenbar sind es Fremdworte im feministischen Aufregungsjargon.
Und dann geh ich den Sexismus suchen in meinem Waschkeller. Ich finde ihn nämlich nicht, obwohl ich wirklich überall geschaut hab. Weder in dem neuen ZDF-Spot noch zu Hause. Frauen waschen Wäsche. Millionenfach. Ich tue es auch und das verdammt oft. Vier Kinder mit einer Vorliebe für Matsch sorgen für zwei Maschinen täglich. Kommen die vollen Taschen mit den gesamten Trikots der diversen Sportmannschaften dazu, wird es auch mal mehr. Jetzt hat sich das ZDF an Humor versucht. Ja, ich weiß, kein einfaches Unterfangen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Auch Selbstironie hat man reingepackt in den Spot, jedenfalls für die Frauen, die noch zu Ironie fähig sind, und jetzt ist schon wieder #aufschrei. Die „Bild“ ist ganz empört. Kommt runter! Langsam nervt es. ... weiterlesen

Ich warte, Karlsruhe!


Bei der Homoehe hat man es eilig am Bundesverfassungsgericht, die Mehrheit der anderen Familien muss leider weiter auf Unterstützung warten.
Ja, es muss ein Freudentag gewesen sein für Volker Beck, als vergangenen Donnerstag das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entschieden hat, homosexuelle Lebensgemeinschaften auch steuerrechtlich der Ehe zwischen Mann und Frau anzugleichen. Ehegatten-Splitting jetzt also auch für schwule und lesbische Paare. Ob das ein Grund zum Feiern ist, darüber darf man in einem demokratischen Land geteilter Meinung sein. Noch jedenfalls. Das ist man übrigens auch beim Bundesverfassungsgericht. Zwei der Richter kommen zu einer anderen Meinung als ihre Kollegen.
Es ist vermutlich der größte Irrglaube, dass unser Gesetz eindeutig regeln würde, was rechtens ist oder nicht. Tatsächlich werden zumindest Jurastudenten bereits im ersten Semester von dieser Illusion befreit, viele andere erst dann, wenn sie das erste Mal vor Gericht stehen und realisieren, dass Recht und Gerechtigkeit oft zwei artfremde Begriffe darstellen. Die Auslegung gerade der Verfassungsrechte ist immer ein Abwägen verschiedener Rechtsgüter. Die juristische Literatur ist voll von verschiedenen sogenannten Minderheitenmeinungen über die gängige Rechtsprechung. Welche Ansicht am Ende die Oberhand gewinnt, ist immer auch Frage der öffentlichen Meinung, des Zeitgeistes und der Zusammensetzung der Entscheidungsträger, in diesem Fall des Bundesverfassungsgerichtes. ... weiterlesen

Vorreiterinnenstellung


An der Universität Leipzig werden alle Fachkräfte nur noch als Frauen angesprochen. Hat sich die Debatte um eine Frauenquote nun endlich erledigt?
Liebe Herrinnen an der Uni Leipzig. Mit der Entscheidung, alle Fachkräfte Ihres Hauses nur noch als Frauen anzusprechen, haben Sie die deutsche Sprache schwer misshandelt. Aber Glückwunsch: Über Nacht ist die Frauenquote mit einem Schlag auf 100 Prozent erhöht worden.
Nun weiß ich selbstverständlich, dass bei dieser Entscheidung nicht nur Frauen, sondern auch Männer ihre Finger im Spiel hatten. Schlimmer noch, der Vorschlag kam von einem Mann. Entnervt über die langwierigen Diskussionen über Schrägstriche und zusätzliche weibliche Bezeichnungen in Schriftstücken hatte der Physikprofessor Dr. Josef Käs den Vorschlag gemacht, dann doch einfach ausschließlich die weibliche Form einzusetzen. Und nicht nur zu seiner Überraschung fand der Vorschlag eine Mehrheit bei der Abstimmung. Was soll ich also machen? Nun gibt es nur noch weibliches Potenzial, das als Täterinnen bei der Beerdigung einer langen deutschen Sprachtradition infrage kommt. Sie haben es so gewollt! Sprachmörderinnen. Auch ein schönes neues Wort. ... weiterlesen

Bonbons von Fräulein Rottenmeier


Wer als Frau noch vorurteilsfrei Karriere machen will, muss sich beeilen. Denn obwohl die Frauenquote heute im Bundestag abgelehnt wurde, wird sie leider ab 2020 alternativlos. Danke auch, Frau von der Leyen.


Jetzt werden wir also alle Quotenfrauen. Toll. Herzlichen Dank Frau von der Leyen und Kolleginnen, dass Sie sich so aufgeopfert haben. Spätestens 2020 dürfen wir uns jetzt alle den Stempel „Quotenfrau“ auf die Stirn kleben, sollten wir einen Top-Posten ergattern und können anschließend dann den mühsamen Beweis antreten, dass wir es eventuell auch ohne geschafft hätten.
Intrige, Machtkampf, Erpressung. Nein, es waren keine schönen Worte, die rund um den Machtkampf innerhalb der CDU – Frauen gegen den Rest ihrer Partei – in den vergangenen Tagen fielen. Angeführt von Ursula von der Leyen, haben sie im Kampf um die gesetzliche Frauenquote ein Schlachtfeld hinterlassen in Fraktion und Koalition, dessen Folgen sich erst noch zeigen werden. Gerade für die Frauen der Fraktion. Gleichzeitig haben sie uns aber auch einen herrlichen Anschauungsunterricht zu der Frage geboten, was sich ändert, wenn ab sofort mehr Frauen in Entscheidungspositionen sitzen. Sozusagen an den Schalthebeln der Macht: Nämlich gar nichts. Eiskalt, risikoreich, machtbewusst und mit dem Kopf durch die Wand, koste es, was es wolle. So hat sich Frau von der Leyen in der Frauenquoten-Frage durchgesetzt. Damit erfüllt sie so ziemlich jedes Klischee, das einem männlichen Kollegen den Stempel typisch aggressives männliches Potenzgebaren aufgedrückt hätte. ... weiterlesen

Was kommt, wenn Familie geht?


Früher lernte man es anhand von Geschwistern. Nebenbei. Heute werden Babys in Schulen gebracht, um Kindern Empathie, Rücksichtnahme und emotionale Intelligenz beizubringen. So weit ist es schon gekommen.
An einer Bremer Oberschule werden in einem neuen Projekt seit vergangenem November Babys als Empathie-Trainer eingesetzt. Einmal im Monat kommt ein Säugling mit seiner Mutter in die Schulklasse auf Besuch. Es sind Schulen in sozialen Brennpunkten. Die Kinder haben es oft nicht einfach. Sie spielen mit dem Baby, beobachten, wie es von Monat zu Monat wächst, wie es sich entwickelt, was es Neues dazugelernt hat.
Beobachten Stimmungsschwankungen, lernen zu deuten, was das Kind will, Gesichter lesen, was ihm gefällt, was es nicht mag. Die Klassen freuen sich auf den Besuch, die Lehrer berichten über große soziale Erfolge. Selbst die größten Rabauken der Klassen schmelzen demnach wie Butter in der Sonne, sobald ein Baby sie anlacht. Initiiert hat das Projekt die Organisation „Roots of Empathy“ aus Kanada, die das Projekt inzwischen in zahlreiche Länder weitergetragen hat. Kostenfaktor allein für das Bremer Projekt: 100.000 Euro.
Nein, ich will das nicht schlechtreden. Wenn es hilft, Kinder verstehen zu lassen, wie ihre Mitmenschen denken, wie sie fühlen, was sie brauchen, wie man am nettesten miteinander umgeht, dann ist das gut. Es gibt aber zu denken, dass wir so etwas überhaupt brauchen an unseren Schulen, in unserer Gesellschaft. Offenbar schreitet die Zerstörung der Familie schneller voran, als man glaubt. Nun bringen wir Familienersatzstücke in die Schule, um den Kindern Erfahrungen zu vermitteln, die sie früher ganz nebenbei in den eigenen Familien gehabt hätten. Heute nicht mehr. ... weiterlesen